Im Interview: Herbert Kloiber
„Dem Zuschauer ist die Technik egal“

Herbert Kloiber ist Besitzer und Vorstandschef der Medienunternehmens Tele-München-Gruppe. Ihm gehören der Kinokonzern Cinemaxx und einer der größten deutschen Filmbibliotheken („Seewolf“, „Iron Man“, „Hulk“). Im Handelsblatt-Interview spricht er über Kunstfilme, leidgeprüfte Kinobesitzer - und die große Kontaktbörse Cannes.

Herr Kloiber, als Eigner von Deutschlands größter Kinokette Cinemaxx sind Sie leidgeprüft. Wie ist denn das Kinojahr 2008 nach dem schlechten Zahlen im vergangenen Jahr angelaufen?

Im ersten Quartal dieses Jahres ist die Besucherzahl um 30 Prozent gestiegen, weil wir gute Filme wie die Komödie „Kleinohrhasen“ hatten. In Geld war es sogar etwas mehr, weil die Kinokarten in Deutschland sich endlich an das europäische Preisniveau angleichen.

Hat der Auslands-Oscar für das deutschsprachige KZ-Drama „Der Fälscher“ den Filmtheatern einen zusätzlichen Schub gegeben.

Dieser österreichische Film war für den deutschen Kinomarkt belanglos. Doch ich habe mich gefreut, dass ein Land wie Österreich seit dem legendären Regisseur Billy Wilder zum zweiten Mal ein Österreicher einen Oscar geholt hatte.

Sie haben anspruchsvolle Stoffe wie Martin Walsers Novelle „Das fliehende Pferd“ produziert. Kann man mit Kunstfilmen überhaupt noch Geld verdienen oder ist dies nur Liebhaberei eines vermögenden Medienunternehmers?

Nein, man kann mit künstlerisch anspruchsvollen Filmen auch Geld verdienen. Natürlich ist auch ein wenig Liebhaberei. Doch es freut einen doppelt, wenn es sich wie beim „Fliehende Pferd“ auch wirtschaftlich rechnet. Mit 400 000 Kinobesuchern kann man noch nichts verdienen, aber man verliert auch nichts.

Kommt dann die Rendite später von der Fernseh- und DVD-Auswertung?

Durch das Kino steigen auch die Möglichkeiten für die Auswertung eines Films im Fernsehen und auf DVD, somit ist mittel- und langfristig Geld zu verdienen.

Wie viel lässt sich denn über die DVD wieder reinholen?

Je kommerziell erfolgreicher das Werk, desto besser für den Verkauf der DVD. Wir haben nächste Woche den 150 Millionen Dollar teuren Film „Iron Man“ mit einer großen Premiere in Berlin am Start. Bei diesem Film wird die DVD einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung leisten. Das bin ich mir sicher.

Was heißt das konkret?

Im Fall der Comicverfilmung „Iron Man“ rechne ich damit, dass 25 Prozent der Einnahmen aus der DVD stammen. Bei Kunstfilmen wie das „Fliehende Pferd“ ist es hingegen unberechenbar. Es können weniger als zehn Prozent sein oder bei vielen Filmen wie den Kinohit „Sonnenallee“ auch deutlich mehr.

Die Filmbranche hat sich nach jahrelangen Streitereien kürzlich für den neuen DVD-Standard „Blu-Ray“ von Sony entschieden. Wird die neue Technik auch für einen Umsatzschub im DVD-Handel sorgen?

Dem Zuschauer ist die Technik gleichgültig.

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