Im Kinsky
Debüt mit zeitgenössischer Kunst

Die Erwartungen im Auktionshaus im Kinsky waren zu hoch geschraubt. Nicht jedes Werk der zeitgenössischen Kunst löst Bietgefechte aus, nur knapp die Hälfte der 310 Lose ließ sich absetzten.
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WienBislang kam zeitgenössische Kunst Wiener Auktionshaus im Kinsky „nur“ zum Sammeltermin und in Begleitung der anderen Sparten unter den Hammer. Das, kündigte Nikolaus Schauerhuber bei seinem Amtsantritt als neuer Geschäftsführer im Mai an, wolle man ändern und ließ Gesagtem nun vergleichsweise prompt Taten folgen. Diese Woche ging also mit der 86. Kunstauktion am 27. September das – in Umfang reiche, an internationalen Protagonisten allerdings arme – Solodebüt über die Bühne. Entsprechend der Schätzwertsumme lagen die monetären Erwartungen zwischen 2,9 und fünf Millionen Euro. Vorweg: Die Realisierung scheiterte.

Stimmungskiller Alphabet

310 in alphabetischer Reihenfolge antretende Kandidaten, das mag ein für Benefizevents passender demokratischer Ansatz sein, mutiert aber im Branchenalltag zum absoluten Stimmungskiller. Denn da braucht es eine Dramaturgie, die das Publikum über zähe Momente rettet. Und derer gab es exakt 161, jene Posten, die vergeblich aufgerufen wurden.

Nicht einkalkuliert sind hier drei Werke, die keine Rufreife erlangten: Eine Arbeit von Max Weiler wurde kurz nach Veröffentlichung des Auktionskataloges als Fälschung entlarvt, zwei Werke von Jean Dubuffet mussten zurückgezogen werden. Sie stammen aus dem Nachlass des österreichischen Künstlers Adolf Frohner, der die Mischtechnik aus der Serie „Hourloupe“ (Taxe 40.000-80.000 Euro) und die Tuschzeichnung aus der Serie „Corps de Dame“ (25.000-50.000) direkt von Dubuffet erhalten haben soll. Beide Werke sind der 1974 gegründeten Fondation nicht bekannt und harren nun deren Begutachtung.

Geringe Verkaufsquote

Die Prise Internationalität brachten die Buchstaben „H“ und „P“: Hans Hofmanns „The Bay“ (Katalogcover), das zum Tageshöchstwert von 100.000 Euro (brutto, inkl. Aufgeld) zugeschlagen wurde und Serge Poliakoffs Satz von zehn Farblithographien, für den ein Bieter nur bis zum Limit von 55.000 Euro zu gehen bereit war. Das spannendste Bietgefecht bescherte ein im Alter von 18 Jahren von Oswald Oberhuber gemaltes informelles Epos. Unter heftiger Gegenwehr einer Saalbieterin setzte sich schließlich Nikolaus Schauerhuber im Namen eines europäischen Museums durch. Der neue Künstlerrekord von 59.985 Euro blieb damit Chefsache. Mit einem Gesamtergebnis von 1,8 Millionen Euro notierte man am Ende der Sitzung zwar die beste Spartenbilanz in der Geschichte des Unternehmens, die Verkaufsquote hinkte den Erwartungen mit etwas mehr als 45 Prozent allerdings deutlich hinterher.

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