im Kinsky
Metapher für einen Idealzustand

Drei Millionen Euro hämmert der Wiener Versteigerer im Kinsky auf seiner 100. Jubiläumsauktion zusammen. Die Meisterwerke-Offerte wird zu über 50 Prozent abgesetzt. Das Spitzenlos, ein Bronzeguss von Medardo Rosso, übernimmt ein europäisches Museum.
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WienDer höchste Zuschlag der Meisterwerke-Auktion "im Kinsky" am 13. Mai 2014 galt einer Bronzeplastik Medardo Rossos, die aktuell aus einer österreichischen Privatsammlung zum Verkauf gelangte. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der Italiener zu den wichtigsten Bildhauern seiner Zeit gehört. Des impressionistischen Gesamteindrucks seiner Kreationen wegen, etwa der bewusst skizzenhaften Manier und des subtilen Spiels mit Licht und Schatten, war er von Kritiker als „Monet der Skulptur“ bezeichnet worden.

Mit Wien verband Rosso – abgesehen von einem Straßenbahn-Unfall und einem daraus resultierenden Schädel-Hirn-Trauma – sporadische Ausstellungsbeteiligungen sowie eine Bekanntschaft mit dem Großindustriellen und Sammler Hermann Eissler. Diesem hatte er „für 7.000 Franken“, wie ein 1905 datierter Brief belegt, die Skulptur verkauft, die seine Ehefrau und seinen kleinen Sohn Francesco im flüchtigen Augenblick einer zärtlichen Liebkosung zeigt. Sie avancierte zur Metapher für den Idealzustand im „Goldenen Zeitalter“. Ab 1886 schuf Rosso Varianten dieser „Aetas Aurea“ in Gips, Wachs oder – wie vorliegende von 1902 – in Bronze. Beim angesetzten Schätzwert von 50.000 bis 100.000 Euro sollte es nicht bleiben. Das Duell eines Saal- und eines Telefoninteressenten wurde das spannendste Bietgefecht des Abends. Für 280.000 Euro (Kaufpreis 353.000), der höchste bislang für eine Bronze bei einer Auktion verzeichnete Wert, wandert das Werk in den Bestand eines europäischen Museums. Doch in welches? „In ein bedeutendes“, mehr wollte das Auktionshaus auf Wunsch der Institution nicht verlauten.

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