Im-Kinsky
Mit Histörchen unterhalten

Michael Kovacek ist jahrelanger Kunsthändler und nun Geschäftsführer des Aktionshauses Im-Kinsky. Am Auktionspult ist er allerdings noch frisch und nimmt launig 5,7 Millionen Euro mit Meisterwerken ein.
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WienGemessen an seinen Berufsjahren, zuerst als Kunsthändler, seit Mitte der 1990er-Jahre als Teilhaber, Experte und seit kurzem auch Geschäftsführer des Wiener Auktionshauses Im-Kinsky, ist Michael Kovacek ja ein „alter Hase“. Am Auktionatorenpult hingegen ist er als „talentierter Frischling“ zu werten, gab der 64-Jährige sein Debüt doch erst im November vergangenen Jahres. Aktuell, im Zuge der 90. Kunstauktion, lieferte er Dienstagabend eine perfekte Vorstellung, die mitsamt hie und da eingestreuten Anekdoten zu den 163 „Meisterwerken“ auch noch Unterhaltungswert besaß. Und das ist mehr, als man sonst in Wien geboten bekommt, dort wo das trockene Verlesen der Katalogpositionen, so scheint’s, erfunden worden sein muss.

Los Nummer 15, „Landschaft bei Grafenegg“, von Olga Wisinger-Florian, Rufpreis 60 000 Euro: Eine, wenn nicht die wichtigste Protagonistin aus dem Kreis der österreichischen Stimmungsimpressionisten, wissen die anwesenden Kunsthändler. Um welche Blumengattung es sich handelt, die auf dieser Leinwand so üppig blüht, dürfte sonst nur Floristen oder Bildungshungrige interessieren. Es handle sich um Esparsetten, plaudert Kovacek, auch Süßklee genannt, der ehemals bei Pferden und anderen Nutztieren auf dem Speiseplan stand. Dann kamen die Traktoren, und die prachtvoll sprießende Futterpflanze verschwand von den Sommerwiesen. 80 000 Euro, zum Dritten, macht 100 000 Euro (inklusive Aufgeld) für das Gemälde und das Histörchen, bewilligt von einem heimischen Bieter.

Den ursprünglichen Auftraggeber der prunkvollen und um 1600 vermutlich von einem sächsischen Meister gefertigten Radschlossbüchse (5000 bis 10 000) konnte jedoch trotz intensivster Recherchen nicht ermittelt werden. Er muss, wie das unentschlüsselte Wappen auch, vorläufig ein Geheimnis bleiben. Mit stoischem Kopfnicken setzt sich hier ein Saal- gegen zwei Telefonbieter bei 15 000 Euro Hammerpreis und 18 750 Euro Kaufpreis durch und freut sich über dieses Schnäppchen, das im spezialisierten englischen Fachhandel, so murmelt der, eher nicht unter 200 000 Euro zu haben wäre.

„Ehret die Frauen!“ zitierte mit Anton Kothgasser wiederum der bekannteste Glaskünstler des Biedermeiers Friedrich von Schillers, Rufpreis 5000 Euro. Ein launiger Befehl, inmitten zarter Blumenmalerei und Efeuranken auf Glas verewigt, das originale Lederfutteral dazu, eine adäquate Gabe für den bevorstehenden Muttertag nur theoretisch, in der Praxis wandert das um 1820 datierte Zylinderglas für 14 000 (17 500) nun in eine Privatsammlung nach Slowenien ab. Die nächste Position, ein Fußbecher von Dominik Biemann, datiert 1851, ein Flohmarktfund aus Florenz, der dem glücklichen Einlieferer nun 28 000 (abzüglich Gebühren) beschert und einen Sammler aus Österreich 35 000 Euro kostet. Zwischendurch tritt ein Danzinger Deckelhumpen aus dem 17. Jahrhundert zum gleichen Wert seine Reise in die Schweiz an und entscheidet sich Egon Schieles kecke Braut, das sitzende Mädchen mit zurückgeworfenem Kopf (300 000/ 375 000), für einen Verbleib in Österreich.

Ausdauer ist hingegen bei Alfons Walde angesagt, beim häufig gemalten „Einsamen Berghof“, ein gefragtes Motiv und aus den USA importiert, für das sich drei Telefon- und zwei Saalbieter ins Gefecht stürzen. Innerhalb weniger Minuten klettert der Wert von 150 000 Euro über das Limit, auch über die obere Taxe von 250 000, angesichts schrumpfender Gewinnmargen gibt schließlich auch ein oberösterreichischer Kunsthändler auf und fällt der Hammer bei 340 000 Euro (425 000) zugunsten eines hartnäckigen Telefonbieters.

Nicht der letzte aber der höchstdotierte Besitzerwechsel des Abends. Die Verkaufsquote von bislang 55 Prozent darf als respektables Ergebnis verbucht werden: 4,6 Netto- beziehungsweise 5,7 Bruttomillionen Umsatz, die unter Vorbehalt erteilten Zuschläge noch gar nicht berücksichtigt.


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