Im Kinsky
Zu ehrgeizige Schätzpreise versalzen Geschäft

Magere Ergebnisse für Österreichs Klassische Moderne, zeitgenössische Kunst und Jugendstil fährt das Wiener Versteigerungshaus im Kinsky ein. Zu hohe Taxen verhindern den Erfolg am Ende der Saison. Auch die amerikanischen Bieter machen sich rar.
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WIEN. "Weihnachen ist auch nicht mehr das, was es einmal war." Ehrliche Enttäuschung leistete sich der Chef des Wiener Auktionshauses im Kinsky am Ende seiner zweitägigen Session für Zeitgenössische Kunst, Klassische Moderne und Jugendstil vom 1. und 2. Dezember. 2,6 Mio. Euro brutto stehen in den Büchern von Otto Hans Ressler. Erwartet hatte er für sein konzentriertes Angebot österreichischer Kunst 4,2 bis 6,8 Mio. Euro. Den Löwenanteil strichen Moderne und Zeitgenossen mit zusammen mehr als 1,7 Mio. Euro ein. Dabei verbuchte die Klassische Moderne mehr Zuschläge deutlich oberhalb der Taxe. Mit einer Verkaufsquote von 49 Prozent schnitt sie auch etwas besser ab als die Zeitgenossen-Abteilung (44 Prozent), obwohl deren Top-Los, Herbert Boeckls "Dominikaner"-Porträt an seiner hohen Taxe von 150.000 bis 250.000 Euro scheiterte.

An die Spitze der Moderne-Session setzte sich mit 85.000 Euro das wie eine Wanddekoration aufgefasste Hochformat des ungarischen Jugendstil-Künstlers Cornel M. Spanyik. Es wandert, seine untere Taxe von 15.000 Euro weit hinter sich lassend, in eine europäische Privatsammlung. Deutlich mehr als erwartet erzielten auch landestypische Sujets von Oskar Mulley und Josef Dobrowsky.

Abstrakte Lassnig bleibt ohne Gebot

Auch bei den Zeitgenossen scheiterte das Top-Los an seiner offenbar zu hoch gegriffenen Taxe: 150.000 bis 250.000 Euro für eine abstrakt geratene Leinwand von Maria Lassnig. Über den Erwartungen schnitt dagegen Rudolf Hausners "Adam Baumeister" ab. Ein deutscher Privatbieter bewilligte 90.000 Euro (35.000/60.000). Auch die umfangreiche Offerte von 21 Arbeiten Arnulf Rainers kam gut über die Taxe, obwohl deren Hauptlos, die Übermalung einer Correggio-Kopie des 19. Jahrhunderts, liegen blieb (25.000/40.000).

In der Sparte Jugendstil schlug das Fehlen vor allem amerikanischer Bieter auf das schwache Ergebnis von mehr als 670.000 Euro durch. Die Verkaufsquote lag bei 41 Prozent. Dabei stand ein hochwertiges, möglicherweise etwas zu teuer eingeschätztes Angebot mit diversen, gut bestückten Passagen zum Verkauf. Die Hoffmann-Entwürfe für die Wiener Werkstätten und insbesondere Weingläser von Otto Prutscher waren begehrt. Böhmische Vasen der Lötz-Werkstätte gelangten dagegen nur vereinzelt über ihr angepeiltes Ziel hinaus. Ein deutscher Sammler machte mit 48.000 Euro die zwölfflammige Tiffany-Lampe "Lily" zum Top-Los des Segments (20.000/40.000). Ein Österreicher sicherte sich den seltenen Jahreszeiten-Putto (Winter) aus der umfangreichen Keramik-Passage von Michael Powolny. 43.750 Euro kostete er, etwas mehr als die untere Taxe.


www.imkinsky.com

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