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Immer mehr Deutsche sind spielsüchtig

Immer mehr Menschen in Deutschland sind Glücksspielen verfallen. Im vergangenen Jahr sei die Nachfrage nach Therapien für Spielsüchtige im Vergleich zum Vorjahr bundesweit um fast 30 Prozent gestiegen, sagte der Bremer Suchtexperte Prof. Gerhard Meyer.

dpa BREMEN. Immer mehr Menschen in Deutschland sind Glücksspielen verfallen. Im vergangenen Jahr sei die Nachfrage nach Therapien für Spielsüchtige im Vergleich zum Vorjahr bundesweit um fast 30 Prozent gestiegen, sagte der Bremer Suchtexperte Prof. Gerhard Meyer.

Er bezog sich dabei auf die Statistik der Beratungsstellen für Suchtkranke, wonach schätzungsweise bis zu 180 000 Menschen betroffen sind. „Dies ist äußerst Besorgnis erregend“, sagte Meyer. Gründe sieht er vor allem in den wachsenden Angeboten. „Es gibt ständig neue Wett- und Glücksspiele mit immer attraktiveren Spielanreizen.“

Bestrebungen, den Glücksspielmarkt auch für private Betreiber zu öffnen, seien der falsche Weg, sagte Meyer, der am Lehrstuhl für Psychologie der Universität Bremen tätig ist. Dies werde derzeit beispielsweise von der EU-Kommission und dem Bundesverfassungsgericht geprüft. „Die Freiheit der Anbieter darf nicht über das Prinzip des Spielerschutzes gestellt werden“, fügte der Professor hinzu. Meyer befürchtet einen verschärften Wettbewerb um Spieler durch private Anbieter. Folge seien immer verlockendere Angebote, die die Suchtgefahr erhöhen.

Meyer forderte die Bundesländer auf, den Spielerschutz ernster zu nehmen. „Es muss über die Gefahren aufgeklärt werden.“ Spielbanken sollten beispielsweise verpflichtet werden, ihr Personal zu schulen, um Gefährdete früher zu erkennen und das Gespräch zu suchen, sagte er. Ziel sei es, die Süchtigen in Beratungsstellen zu vermitteln.

Finanziert werden könnte dies über die Betreiberabgaben. „Die Bundesländer erhalten von den Spielbanken in der Regel 80 Prozent der Einnahmen“, sagte Meyer. Davon sollten ein bis zwei Prozent den für Spielerschutz bereitgestellt werden. Wichtig sei, dass die Betreiber Geld für zusätzliches Personal erhalten, das sich nur der Spielerbetreuung widmen soll.

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