Impressionismus
Kühe im nördlichen Licht

Thomas Herbst gehört zu den weniger bekannten Impressionisten norddeutscher Herkunft. Ausstellungen in der Hamburger Galerie Herold und im Jenisch-Haus erinnern an den Freiluftmaler, der von Max Liebermann gefördert wurde.
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HamburgDer Markt für die Kunst der international bekannten Impressionisten ist nahezu leergefegt und die Preise dafür sind sprunghaft in astronomischen Höhen gestiegen. Nur selten werden noch unbekannte Werke aufgestöbert. Wer aber in die zweite Reihe der Freiluftmaler um 1900 schaut, kann immer wieder Entdeckungen machen. Der 1848 in Hamburg geborene Pleinairist Thomas Herbst ist so eine Entdeckung.

Bereits 1931 gab es den ersten groß angeregten Versuch, ihn der deutschen Öffentlichkeit bekannt zu machen. Helfen sollte dabei eine eigens dafür geschaffene „Gesellschaft der Freunde Thomas Herbsts“. Der Freundeskreis, unterstützt von Max Liebermann oder den Brüdern Hermann und Philipp Reemtsma, initiierte 1938 auch die erste große Gedächtnisausstellung in der Hamburger Kunsthalle. Er löste sich allerdings 1941, bedrängt vom Nationalsozialismus, wieder auf.

Bald vollendetes Werkverzeichnis

Nach dem Krieg hielten vor allem Kunsthändler die Erinnerung an den norddeutschen Pleinairisten wach. Anfang 2008 gründete sich erneut eine Hamburger „Gesellschaft der Freunde Thomas Herbst“, die sich aus Sammlern, Händlern und einigen Kunsthistorikern zusammensetzt. Sie unterstützt die Arbeit am Werkverzeichnis, das bereits über 1000 Nummern an Bildern und Ölskizzen umfasst und demnächst erscheinen soll. Die jüngste Thomas Herbst-Ausstellung im Jenisch-Haus ist dieser zielorientierten Gesellschaft ebenfalls zu verdanken. Anlass dafür ist der 100. Todestag des Impressionisten.

Im imposant-herrschaftlichen Jenisch-Haus wird im niedrigen Dachgeschoss eine Auswahl seiner unzähligen Bilder von Kühen und Pferden, von norddeutschen Landschaften mit Bauernkate und Fischerbooten gezeigt. Weniger wäre mehr gewesen, weil die 20. Kuh auf dem 20. Gemälde nicht mehr dazu anregt, seine Kunst zu bewundern, sondern dazu führt, über die Armut seiner Motivkreise nachzudenken. Gleichwohl bleibt er in seiner Malweise und in der Art, wie er Licht und Farbe einfängt, ein besonderes Talent.

Signiertes und unsigniertes

Herbst studierte in Weimar und Berlin, München und Paris, aber er kehrte voller Überzeugung und Hingabe in seine norddeutsche Heimat zurück. Einflüsse des holländischen17. Jahrhunderts und der französischen Freiluftmaler prägen seitdem seine in und um Hamburg entstandenen Bilder.

Herbst zeichnete seine Motive zwar in der freien Natur, aber erst im Atelier wurden sie für ihn zur gültigen Bildkomposition. Heute sind mehr Ölstudien im Handel, als es dem 1915 gestorbenen Herbst Recht gewesen wäre. Denn diese signierte er bewusst nicht, um zu verdeutlichen, dass sie noch nicht an seinen künstlerischen Anspruch heranreichten.

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