Impressionisten
Große Namen sorgen für Sicherheit

Die Impressionisten- und Moderne-Auktionen setzen auf gefeierte Künstler, eindrückliche Themen und die Herkunft aus besten Sammlungen.
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New YorkKurz nach dem Bericht in „Vanity Fair“, dass Cézannes wichtiges Bild „Die Kartenspieler“ vom Tankermilliardär George Embiricos für mindestens 250 Millionen Dollar an die katarische Herrscherfamilie verkauft worden sei, konnte Christie’s mit einem Clou für die New Yorker Maiauktion aufwarten.

Ein jahrzehntelang als verschollen geltendes Aquarell Cézannes, das eine Vorstudie für den kartenspielenden Landarbeiter rechts im Gemälde sein könnte, war vom Nachlass des im Herbst verstorbenen Arztes Heinz Eichenwald aus Dallas zur Auktion eingeliefert worden. Die Taxe von 15 bis 20 Millionen Dollar für das ohne Vorzeichnung souverän ausgeführte Aquarell ist durchaus realistisch. 2007 erzielte Cézannes Porträt seines Gärtners Vallier bereits 15,5 Millionen Dollar netto.

Mit nur 32 Losen (erwartet werden 98,5 bis 142 Millionen Dollar) präsentiert Christie’s den seit Jahren dünnsten Katalog. Nachdem im letzten November fast ein Drittel der Lose unverkauft blieb – und es daraufhin ein Stühlerücken in der Abteilung gab –, hat man sich mit großen Namen und wichtigen Provenienzen abgesichert: Bei einer Degas-Tänzerin in der „Arabesque“-Pose und Mary Cassatts Mädchenbild ist es der legendäre Sammler H.O. Havemeyer, dem das Metropolitan Museum über 4000 Werke verdankt.

Der freundliche Frühsommerstrauß von Matisse setzt auf die rekordstiftende Beliebtheit des Themas. Das expressive Werk von 1907 in intensiven Farben soll acht bis zwölf Millionen Dollar einbringen. Solche Spitzenpreise verzeichneten bisher nur die späteren, elegant ornamental eingebundenen Kompositionen.

Unter einigen schönen, klassischen Impressionisten stechen Claude Monets taillierte Weizenbündel „Les Demoiselles de Giverny“ (1894) im kühlen, fahlen Morgenlicht vor blauer Waldsilhouette (neun bis zwölf Millionen Dollar) heraus. Sie befanden sich lange in argentinischem Besitz.

Sotheby’s hofft dagegen, am folgenden Abend mit 76 Losen gleich über 240 Millionen Dollar einzunehmen. Ein Drittel davon beansprucht mit unveröffentlichten 80 Millionen Dollar allein eines der weltweit bekanntesten Bilder: Edvard Munchs „Der Schrei“ (1895). Es ist die farblich intensivste von insgesamt vier Versionen, die übrigen drei hängen in norwegischen Museen. Die Pastellzeichnung befand sich über 70 Jahre lang im Besitz der norwegischen Reeder-Familie Olsen. Weitere fünf Landschaften Munchs aus unterschiedlichen Quellen unterstreichen die derzeitige Hausse.

Sotheby’s konnte auch den umfangreichen Nachlass des im November verstorbenen, schillernden New Yorker Finanziers Theodore Forstman gewinnen. Obwohl vieles schon vor 25 Jahren angekauft wurde, treffen die 17 Künstler mit starken Farben und eindrücklichen Sujets genau den heutigen Geschmack.

Highlight ist Picasssos Dora Maar als „Femme assise dans un Fauteuil“ vom 23. Oktober 1941 zu 20 bis 30 Millionen Dollar. Surrealisten sind mit zwölf Werken auch gut vertreten: angeführt von sehr ehrgeizigen acht bis zwölf Millionen Dollar für Dalís endlos weite Landschaft „Printemps Nécrophilique“ (1936) mit Erstbesitz Elsa Schiaparelli. Aus Max Ernsts derzeit gefragtester Periode stammt „Leonora im Morgenlicht“ (1940, drei bis fünf Millionen Dollar), ein Porträt seiner jungen Geliebten, der surrealistischen Malerin Leonora Carrington. Zufällig wird auch eines ihrer eigenen Werke aufgerufen: „La Artista Viaja De Incognito“ geprägt von Mexikos Legenden und dunkler Mystik. Bisher wurde sie nur auf lateinamerikanischen Auktionen angeboten.


Annika Reinert
Barbara Kutscher
Handelsblatt New York / U.S. Correspondent Arts and Art Market

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