Impressionisten und Moderne
Schmales Angebot, teuer verkauft

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Asiaten lieben den Postimpressionismus

Die Hälfte des abendlichen Angebots wurde vom Nachlass des im Februar im Alter von 92 Jahren gestorbenen prominenten Bankiers John C. Whitehead gestellt. Whitehead hatte seit Ende der Siebziger acht Jahre lang als Co-Chairman die internationale Expansion der Investmentbank Goldman Sachs geleitet und war später unter Reagan Vize-Außenminister. Beraten vom New Yorker Händler Achim Moeller sammelte er über 30 Jahre lang französische Impressionisten und Post-Impressionisten, anfangs Zeichnungen, dann auch Skulpturen und Gemälde.

„In Europa und Asien hat sein Name große Resonanz“, so hoffte Christie’s Deputy Chairman Jordan Conor vor der Auktion. Er wurde nicht enttäuscht. Obwohl die meisten Werke nicht mehr den aktuellen Geschmack treffen, sprangen einige dank asiatischer und russischer Beteiligung weit über ihre bewusst niedrig angesetzten Taxen.

So auch Amedeo Modiglianis „Portrait de Béatrice Hastings“ (1916), das seine damalige Geliebte, die südafrikanische Schriftstellerin Emily Alice Haigh unter einem ihrer zahlreichen Pseudonyme zeigt. Gegen eine Erwartung von 7 bis 10 Millionen Dollar netto ging das Bildnis erst zu 16,07 Millionen Dollar brutto an einen russischen Bieter. Derselbe Bieter brachte Claude Monets „Paysage de matin (Giverny)“ (1888) zu nur 4,53 Millionen Dollar in seinen Besitz.

Gefecht um seltenes Porträt von Soutine

Überraschend wurde um Chaim Soutines häufig ausgestelltes Kommunionkind „La Communiante (La Mariée)“ konkurriert. Das etwa 1924 entstandene Gemälde stammt aus der wichtigen Serie einzelner Figuren. Zu den Vorbesitzern gehörte mindestens 15 Jahre lang auch der amerikanische Schauspieler Edward G. Robinson, der vor allem berühmte Gangster verkörperte, aber auch ein beachtlicher Sammler der Moderne war.

Auf sehr niedrige 3 bis 5 Millionen Dollar geschätzt, entfachte das rotwangige Mädchen einige Leidenschaft im Publikum. Bei acht Millionen waren noch drei Bieter aktiv, unter ihnen der Genfer Händler Thomas Seydoux. Der Zuschlag erfolgte erst bei 15,6 Millionen Dollar. „Es gibt eine starke Gruppe von Soutine-Sammlern. Porträts von dieser Qualität kommen nur selten auf den Markt und erzielen dann Toppreise. Nach dem Rekordpreis am Montag scheint es ein großes Interesse an Werken dieser Art und Qualität zu geben“, so der Londoner Kunstberater Patrick Legant.

Unterm Strich spielten die 19 verkauften Whitehead-Lose 58,4 Millionen Dollar ein, weit über den höchstens erwarteten 40 Millionen Dollar. Zu den Einnahmen des 14. Mai sollte man auch die Ergebnisse für Impressionisten und Moderne einrechnen, die Christie’s am 11. Mai in der Sonderauktion „Looking Forward to the Past“ erzielte. Von den 705,8 Millionen Dollar Gesamteinnahmen gingen fast 493 Millionen Dollar auf das Konto dieser Sonderauktion.

Umsatz Christie’s am 14. Mai 2015: 202,6 Millionen Dollar für 40 Zuschläge

Zuschlag nach Losen: 93 Prozent

Zuschlag nach Wert: 99 Prozent

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Annika Reinert
Barbara Kutscher
Handelsblatt New York / U.S. Correspondent Arts and Art Market

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