Impressionisten und Moderne
Die Umsatzbringer von New York

Je 60 Angestellte arbeiten für Christie’s in Peking und Schanghai. Der Einsatz lohnt sich wie die jüngsten Auktionen gezeigt haben. Asiatische Sammler bewilligen Höchstpreise. Davon lassen sich wiederum westliche Sammler motivieren, selber Spitzenwerke einzuliefern. Das zeigt der Van Gogh aus der Sammlung Franck bei Sotheby’s.

New YorkDer jüngste Markttest in New York zeigte: Bieter sind gut informiert, achten auf Provenienzen, Qualität und vor allem angemessene Preise. In den zwei Auktionswochen, in der Kunst bei Christie’s, Sotheby’s und Phillips zu insgesamt 2,3 Millarden Dollar die Hände wechselte, traten asiatische Bieter stark auf. So ging nicht nur das Toplos der Woche, „Nu couché“ von Amedeo Modigliani bei Christie’s zu 170 Millionen Dollar nach China, und zwar ins Schanghaier Long Museum des bekannten „big spender“ Liu Yiqian.

„Sie sind die Stützen des Marktes“, so Jussi Pylkkänen, Christie’s Global President. Für ihn zahlte sich Christie’s intensive Kundenpflege in Asien aus: „Wir beschäftigen 60 Angestellte in Peking und ebenso viele in Schanghai“. Und er selbst ist auch immer auf Achse, besucht auch entlegene Länder wie etwa Aserbaidschan. Aber Christie’s Entscheidung, die 19 besten Einlieferungen des 19. und frühen 20. Jahrhundert in die bunt gemischte Sonderauktion „The Artist’s Muse“ am 9. November 2015 einzuspeisen, wo sie 342,3 Millionen Dollar zum Abend beitrugen, ließ die folgende reguläre Versteigerung am 12. November anämisch wirken.

Rodins Schreitender

Ein schwach besetzter Saal brachte immerhin 145,54 Millionen Dollar für 49 Zuschläge ein, nahe an der oberen Erwartung von 157,5 Millionen Dollar. Zu den Höhepunkten des Abends gehörten sechs konservativ getaxte europäische Bronzen aus der kalifornischen Sammlung Anderson. Harry und Mary Margaret Anderson sind berühmt für ihre Top-Sammlung amerikanischer Kunst des 20. Jahrhunderts. Aber angefangen haben sie mit europäischer Kunst und die Bronzen gehören zu ihren frühesten Erwerbungen. Ihr selten auf Auktionen gehandelter Schreitender von August Rodin, „Figure de l’homme qui marche, moyen modèle“ (1899/1900, Guss 1962) erlöste 1,025 Millionen Dollar (Taxe: 400.000 bis 600.000 Dollar).

Auch Max Ernsts surrealistische Assemblage von 1944 (Bronzeguss 1957) „An Anxious Friend (Un ami empressé)“ vervielfachte die Taxe auf 869.000 Dollar. Surrealismus war auch in Bildern gut vertreten. Vier kamen aus einer spezialisierten französischen Sammlung und ihre niedrig gehaltenen Schätzpreise entfachten Bietfeuerwerke. Ein chinesischer Käufer verdoppelte die günstige untere Erwartung von René Magrittes Großformat „Le miroir universel“ (1938-9) auf starke 6,7 Millionen Dollar. Es zeigt Magrittes Frau Georgette als moderne Venus. Das schöne „Ring of Iron, Ring of Wool“ (1947) der amerikanischen Surrealistin Kay Sage, die im letzten Februar mit einem Ausreisserpreis von über 6 Millionen Dollar Schlagzeilen machte, war einem amerikanischen Museum jetzt 1,2 Millionen Dollar wert (Taxe: 80.000 bis 120.000 Millionen Dollar. Es ist der zweithöchste Preis für Künstlerin.

Impressionistische Landschaften tun sich schwer

Spitzenreiter des Abends wurde Picassos kubistisches Bild „La Carafe (Bouteille et verre)“ (1911/2), das zuletzt im Juni 2008 in London auf dem Markt war (7,4 Millionen Dollar). Nun investierte die Kunstberatung Guggenheim Asher bis zu 10,47 Millionen Dollar. Auch um Picassos im Sommer 1928 entstandene kleinformatige Strandzene „Baigneuses au ballon“ stritten sich zehn Bieter bis zu 3,5 Millionen Dollar (1 bis 1,5 Millionen Dollar). Mit Provenienz des wichtigen Moderne-Sammlers Walter Chrysler, jr. ausgestattet, dem Sohn des gleichnamigen Automobil-Pioniers, trat Jean Hélions schöne große Abstraktion von 1935 an. Ein neuer Kunde bei Christie’s griff gleich beim Überraschungspreis von 3,4 Millionen Dollar zu.

Schwer hatten es vier klassische impressionistische Landschaften. Für Alfred Sisleys „La Seine à Bougival“ (1873), die 2010 noch 2,74 Millionen Dollar kostete, hob sich bei einer Taxe von 1,5 bis 2,5 Millionen Dollar kein Finger und Monets spätes Blumenstück „Iris jaunes au nuage rose“ (1924/5) aus seiner weniger bekannten Schwertlilien-Serie wurde schon bei 5,76 Millionen Dollar zugeschlagen. Geschätzt war es auf 6 bis 8 Millionen Dollar.

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Van Gogh aus der Fondation Pierre Gianadda

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