Impressionisten und Moderne
Wie Neukunden verführt werden

Sotheby’s bestes New Yorker Ergebnis seit Mai 2008 bestätigt die Konsolidierung des Markts. Insgesamt setzten Christie’s und Sotheby’s acht Lose über der Zehn-Millionen-Marke ab. Einlieferer mögen sich inzwischen zwar wieder leichter von ihrer Kunst trennen, aber derzeit schlagen sich nur Meisterwerke blendend. Weniger Gutes hat es schwer.
  • 0

NEW YORK. Sotheby’s warb mit leicht identifizierbaren Ikonen erfolgreich um die neuen Sammler. „Wir wollten unsere Auktion um ein Meisterwerk herum komponieren“, sagt Abteilungsleiter Simon Shaw, „und Amedeo Modigliani stand ganz oben auf unserer Wunschliste.“ Modiglianis Nackte „Nu Assis sur un Divan (La Belle Romaine)“, die sich schamhaft halb vom Betrachter abwendet, gehört zu einer kleinen Serie von Akten, die Modigliani in seiner ersten Solo-Show in der Pariser Galerie Berthe Weil 1917 zeigte.

Die Polizei schloss Modigliani-Schau

Das war ein Fehler, denn ein schockierter Polizeichef ließ die Ausstellung gleich schließen. „Die schöne Römerin“ kann seitdem auf eine illustre Geschichte verweisen: Bereits in den 1990ern zog sie aus der Pariser Sammlung Georges Renand gen Osten, angeblich in die Familie des Sultans von Brunei. Zum Rekordpreis von 16,8 Mio. Dollar wurde sie dann 1999 in New York vom türkischen Bankier Halit Cingillioglu, dem erfahrenen Sammler von Impressionisten und Moderne, übernommen. Jetzt gab er sie zur unveröffentlichten Erwartung von 40 Mio. Dollar wieder frei.

Die letzte Nackte, eine Liegende, war 2003 zu 26,9 Mio. Dollar zugeschlagen worden. Aber der Markt hat sich seitdem am oberen Ende stark verändert. Am Dienstagabend wurde das Gefecht gleich bei 35 Mio. Dollar eröffnet, langsam und bedächtig wurde in Millionenschritten über sechs lange Minuten hinweg an den Telefonen verhandelt.

In diesen dünnen Preisregionen wird Bieten zur Chefsache. Patti Wong (Chairman Sotheby’s Asien) hielt bis zu 44 Mio. Dollar für einen mandarinsprachigen Kunden mit, gab sich aber bald gegen vier Kollegen geschlagen und kommentierte nur noch leise den Auktionsverlauf nach Osten. Am Schluss standen sich Charles Moffett, Vice Chairman Impressionist, Modern & Contemporary Art, und Roberta Louckx, Executive Vice President und in der Privatkundenabteilung oft für russische Kunden aktiv, gegenüber. Louckx sicherte sich den Zuschlag bei 68,9 Mio. Dollar.

Die Modigliani-Euphorie hievte auch anschließend sein erstes wichtiges Porträt der Geliebten Jeanne Hébuterne mit Hut auf 19,1 Mio. Dollar hoch. Hier griff Sotheby’s Genfer Repräsentantin Caroline Lang zu, die häufig in russischem Auftrag bietet. Sie setzte ihrem Kunden dazu Oskar Kokoschkas „Orpheus und Eurydike“ (1917, 1,98 Mio. ), Emil Noldes „Die Heiligen Drei Könige“ (1912, 842 500 Dollar) und Karl Schmidt-Rottluffs „Gehöft“ (1914, 1,98 Mio. Dollar) auf die Rechnung.

Seite 1:

Wie Neukunden verführt werden

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Impressionisten und Moderne: Wie Neukunden verführt werden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%