In den USA und Großbritannien beginnt die Debatte: Was machen Anschläge mit uns und unseren Gesellschaften?
Der Terror wird eingepreist

In Demokratien werden nationale Traumata nicht nur durch die Politik und große Reden abgearbeitet. Zu ihrer Überwindung ist die literarische Beschäftigung mit gesellschaftlichen Tragödien mindestens ebenso wichtig. Das gilt auch für den islamischen Terror, der vor allem viele US-Amerikaner nach den Anschlägen des 11. September 2001 lange traumatisiert hat.

HB BERLIN.Nun ist eine Welle neuer Romane und Erzählungen erschienen, die sich mit den Folgen des Terrors in unseren Gesellschaften beschäftigen. Dies dürfte ein weiteres hoffungsvolles Indiz sein, dass vor allem die USA langsam aus ihrem Schock erwachen.

Am meisten Furore gemacht hat dabei auch in Deutschland wohl der Roman des jungen New Yorker Schriftstellers Jonathan Safran Foer, der sehr schnell in deutscher Übersetzung vorlag. "Extrem laut und unglaublich nah" schildert das Schicksal des neunjährigen Oskar Schell in New York. Dieser kommt nicht darüber hinweg, dass sein Vater im World Trade Center starb und dabei als eines der vielen Opfer in dem Stahl- und Trümmermeer der zusammengebrochenen Hochhäuser verschwand. Ein Tod ohne Leiche - das hat den Schrecken der Anschläge noch erhöht.

Auch wenn der gefeierte Jungautor Foer gut daran getan hätte, seine Klasse nicht mit Layout-Mätzchen zu demonstrieren: Das Buch ist faszinierend, gerade weil die gewählte kindliche Perspektive auf das Thema einen viel direkteren Zugang erlaubt. Zudem webt Foer nach einem etwas schleppenden Beginn recht kunstvoll die Schicksale dreier Generationen ineinander. Für den Leser hat dies etwa die therapeutische Wirkung wie für Oskar Schell die Suche nach einem ominösen Freund seines Vaters quer durch New York: Denn fast beiläufig kommt durch einen bewegenden Brief von Oskars Großvater über die Bombardierung Dresdens die Erkenntnis, dass das Grauen kein neues, sondern ein wiederkehrendes Phänomen des menschlichen Lebens ist. Das tröstet zwar nicht, hilft aber die Schockstarre nach dem unfassbaren "11.9." zu überwinden.

Einen ähnlich einordnenden Blick liefern Michael Cunnigham und Patrick McGrath in ihren Büchern. Cunnigham schildert in der beklemmenden Geschichte "The Children?s Crusade" eine Reihe eigentlich unpolitischer Selbstmordanschläge, die von Kindern in einem ohnehin schon verängstigten New York verübt werden. Erzählt wird aus der Sicht einer New Yorker Polizeipsychologin namens Cat, die dem Phänomen zunächst fassungslos gegenübersteht. Cunnigham stellt die Geschichte seiner traumatisierten New Yorker Figuren ganz bewusst in eine Reihe zweier anderer Erzählungen, die im 19. und im 22. Jahrhundert spielen.

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