In einer Berliner Parfümerie werden noch eigene Kreationen verkauft – immer öfter auch an Männer.
Die Düfte des Herrn Lehmann

Es liegt was in der Luft, besser gesagt, der Berliner Luft. Denn an diesem Wochenende werden in der Hauptstadt die "Fifi Awards" verliehen, das sind die "Oscars der Parfumbranche", wie sich die Branche gern selbst lobt. Prämiert werden Duftmarken.

Daneben gibt es aber immer noch individuelle Düfte zu entdecken. Zum Beispiel, wenn wir der Berliner Kantstraße im gehobenen Bezirk Charlottenburg folgen. Die ist lang. Sie beginnt an der Gedächtniskirche - der Kurfürstendamm ist gleich um die Ecke - und führt nach Westen.

Auf Höhe der Nummer 106 allerdings ist die Kantstraße nicht mehr ganz so fein. Nur die Altbauten mit ihren schönen Balkons wissen noch etwas von den guten alten Zeiten. Von der Zeit danach - mal fein, mal nicht fein - erzählen die Läden: "Korsett Engelke" zum Beispiel.

Und "Harry Lehmann". Der Laden betört die Sinne. Obwohl Farbe von der Decke fällt, eine Neonröhre kaputt und der Teppich im Hinterzimmer durchgelaufen ist. Die Räume sind voll gestopft mit Blumen und Pflanzen. In dieser Atmosphäre maroden Charmes duftet es betörend nach Maiglöckchen, Moos und Farn, Patschuli und Juchten. Nicht die Blumen und Pflanzen duften - die sind nämlich künstlich. Der Duft entsteigt Hunderten von Flakons. "Harry Lehmann" ist eine der letzten Parfümerien in Deutschland, in der es noch eigene Schöpfungen zu kaufen gibt.

Lutz Lehmann - 53 Jahre alt, graue Haare, Pfeffer-und-Salz-Jackett - mischt die Düfte. Günter Lehman, 59 - weißer Drogistenkittel - kümmert sich ums Kaufmännische. Die beiden sind Sprösslinge Harry Lehmanns, der das Unternehmen bereits 1926 gegründet hat. Harry Lehmann ist schon lange tot. Aber Mutter Edith steht fast jeden Tag im Laden. Mit 87 Jahren.

Bei "Harry Lehmann" kaufte schon Marlene Dietrich ihren Veilchenduft. Den gibt?s übrigens noch immer. Riecht, gelinde gesagt, etwas eigenwillig. "So etwas trug man in den Dreißigern", sagt Lutz Lehmann und lächelt. Heute sind die Frauen zurückhaltender.

Die Männer allerdings nicht - im Gegenteil: Die sind gerade erst auf den Duft gekommen. "Früher kamen zu 90 Prozent Frauen", erinnert sich Lutz Lehmann. "Das hat sich verschoben. Jetzt ist das Verhältnis fast ausgeglichen."

Noch erstaunlicher: "Früher benutzten Männer fast ausschließlich Eau de Cologne. Heute wagen sie sich auch an Parfums. Und die Düfte sind spektakulärer als vor 20 Jahren. Heute möchten die Herren auch schon was Besonderes haben." Nicht mehr nur "Agrumen-Öle" wie Orange, Zitrone oder Lavendel. Nein, der moderne Mann tupft sich gern eine Gewürznote hinters Ohr, die nach Balsam oder Harzen duftet.

Die kann er sich sogar selber zusammenstellen. Lutz Lehmann hilft dabei. Er hat zwar eine Menge fertig gemixter eigener Düfte im Sortiment, zum Beispiel das androgyne "Eau de Berlin".

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