In Trier liegen die düsteren und die weinseligen Unterwelten dicht beieinander. Ein Spaziergang unter und über Tage
Basketball auf Spätgotisch

Nach neun Uhr abends tritt Dieter Hechler manchmal im antiken Amphitheater zu Trier auf, als Statist oder als Kleindarsteller in der Verdi-Oper „Attila“. Sofern die Wettergötter mitspielen.

HB TRIER.In Trier sind nämlich zurzeit Antikenfestspiele, und zwar genau dort, wo im Amphitheater schon vor 1 900 Jahren Gladiatoren aufeinander einschlugen, wilde Tiere fränkische Gefangene zu Tode hetzten und sich allerlei Dramen abspielten.

Die Römer hatten es anfangs nicht leicht mit den Ureinwohnern der Mosel-Stadt Trier, die Augustus 15 vor Christus offiziell gründete und zu Weltgeltung brachte.

„Die Treverer“, hatte Gajus Julius Cäsar 35 Jahre zuvor geographisch etwas eigenwillig geschrieben, „von deren Tapferkeit die Gallier eine außerordentliche Meinung haben, wohnen ganz nahe am Rhein.“

„Die Treverer“, meldete Cäsars Zeitgenosse Aulus Hirtius nach Rom, „führen unsere Befehle nur aus, wenn sie durch unser Heer gezwungen werden.“

Später gewöhnten sich die Treverer an die Besatzung und fanden Gefallen am zivilisierten Leben.

Sie wurden romanisiert, was unter anderem an aufwendigen und technisch faszinierenden Thermen abzulesen ist. Allein ein Gang durch das unterirdische Keller-, Versorgungs-, Heiz- und Röhrensystem der Kaiserthermen belegt: Das Leben eines wohlhabenden Römers hatte gewaltige Vorzüge gegenüber dem Dasein eines freien, aber dürftig ausgestatteten Barbaren aus dem Moselfränkischen.

Für die Kaiserthermen ist die kundige Stadtführerin Magdalena Schmitt zuständig, die auch einiges über Markt, Dom und Basilika zu erzählen weiß. Den fremdenführenden Grottenolm Triers aber gibt Dieter Hechler ab, wenn er durch die Unterwelt der steinalten Stadt Trier führt. Seine Führungen, die unter „Trier für Trierer“ rubrizieren, sind meist lange ausgebucht, denn nur 30 dürfen teilnehmen – aus einem der preußischsten aller Gründe: dem Haftungsrecht.

Diese Bestimmungen verhindern womöglich noch viel abenteuerlichere Touren in die Unterwelt der Moselmetropole. Zwischen Haupt- und Südbahnhof soll es unterirdische Verbindungen geben, raunt man sich zu. Unterhalb von Bischofssitz und Dom sowieso: Die Trierer Bischöfe waren nicht immer bloß fromme Heilige, sondern häufig auf der Flucht vor Angreifern, Eroberern und sonstigen Protestanten. Manchmal sogar vor unbotmäßigen Trierer Bürgern.

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