Inszenierung als Familiendrama
Verdis „Nabucco“ enttäuschte Hamburger

Bei der Premiere von Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“ an der Hamburgischen Staatsoper am Sonntag hat das Regieteam Buhrufe zu hören. Die Sänger erhielten allerdings viel Beilfall.

HB HAMBURG. Nabucco in Nadelstreifen hat den Geschmack des Hamburger Publikums nicht getroffen. Bei der Premiere von Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“ an der Hamburgischen Staatsoper am Sonntag gab es zwar viel Beifall für die Sänger. Das Regieteam um Regisseurin Karoline Gruber dagegen bekam Buhrufe zu hören. Damit konnte die Österreicherin nicht an ihren Überraschungserfolg anknüpfen, den sie 2003 mit der Inszenierung von Monteverdis Oper „L'incoronazione di Poppea“ in Hamburg gefeiert hatte.

Gruber inszenierte Verdis frühe Oper um den Kampf der Hebräer gegen die Herrschaft der Assyrer unter ihrem König Nebukadnezar (italienisch: Nabucco) als ein Drama um Macht und Machtmissbrauch. Aus biblischer Zeit verlegt sie die Handlung in eine zeitlose Moderne. Aus dem alttestamentarischen König Nabucco wird ein Potentat im Nadelstreifenanzug mit vielen Orden auf der Brust, aus dem Tempel von Jerusalem ein Regierungsbüro und aus dem Priester Zaccaria ein Staatschef, der zugleich Religionsführer ist. Das Volk, so suggeriert des Bühnenbild von Stefan Heyne, ist dabei Nebensache. Es wird verkörpert von 500 Hamburgern, die als riesige Fototapete die Bühne nach hinten begrenzen.

Vor allem im zweiten Teil konzentriert sich die Inszenierung auf das Familiendrama, in dem neben Eifersucht auch Inzest eine Rolle spielt. Zu den Klängen des berühmten Gefangenen-Chores „Zieh, Gedanke auf goldenen Schwingen“ erlebt Nabuccos Tochter Abigaille den Missbrauch durch ihren Vater noch einmal, der schon während der Ouvertüre per Videofilm angedeutet worden war.

Bei den Sängern beeindruckte vor allem Lado Ataneli als Nabucco, der im dritten und vierten Bild zu seiner sängerischen und darstellerischen Form fand, während er im ersten Teil unter der recht statischen Personenregie zu leiden hatte. Georgina Lukács als Abigaille überzeugte zwar darstellerisch, hatte aber unüberhörbar ebenso mit ihrer Partie zu kämpfen wie Simon Yang als Zaccaria.

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