Integration in der Schule
Grundschulniveau wäre schon ein Erfolg

Rund 300.000 Flüchtlinge haben an deutschen Schulen einen Platz gefunden. Hier sollen sie möglichst schnell Deutsch lernen – in überfüllten Klassen gelingt das jedoch kaum. Eine Lehrerin berichtet aus ihrem Alltag.

Düsseldorf17 Augenpaare schauen Andrea Maier fragend an. Herbstlich – mit dem Wort können die Schüler in ihrer Klasse nun gar nichts anfangen. Erst das Wörterbuch hilft weiter. Kein Wunder, die Lehrerin unterrichtet eine Vorbereitungsklasse für Flüchtlinge. Die Schüler kommen aus acht verschiedenen Nationen. Die meisten sprechen nur sehr wenig Deutsch, einige so gut wie gar nicht.

Eigentlich heißt Andrea Maier anders. Sie unterrichtet an einem Gymnasium in Nordrhein-Westfalen. Doch weil die schulische Integration von Flüchtlingen ein heikles Thema ist, will sie lieber unerkannt bleiben. Kurz vor den Herbstferien sammelt sie als Einstieg in die Stunde Vokabeln zum Thema Herbst. Kastanien, Igel, Blätter und Laub werden genannt. Maier ergänzt noch weitere Wörter, Allerheiligen spart sie sich lieber. Als ihre überwiegend muslimischen Schüler ein Bild malen sollten, was sie an Deutschland nicht mögen, zeichnete einer ein Schwein.

Die Vorbereitungsklasse an dem Gymnasium gibt es seit Dezember 2015. Mit vier Schülern ging es los. Jetzt unterrichtet Maier 15 Jungen und zwei Mädchen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren. Sie wundert sich selbst, dass es so wenig Mädchen sind. Eine Erklärung hat sie nicht, sie hätte aber gerne mehr Mädchen in der Klasse. Es ist nicht so einfach, die Klasse zu zähmen. Manchmal hilft nur Strafe: Zuletzt gab es ein Verbot für den Kickertisch in den Freizeiträumen der Schule.

14 Stunden Deutschunterricht stehen pro Woche auf dem Unterrichtsplan. Dazu noch Fächer wie Englisch, Mathe, Sport und Kunst. Bis auf Sport und Kunst werden die Schüler zunächst ausschließlich in der Vorbereitungsklasse unterrichten. Wenn sie besser Deutsch können, werden sie Stück für Stück in eine normale Klasse integriert. Organisatorisch ist das ziemlich komplex. Maier selbst verliert schon mal den Überblick, wo genau sich gerade welcher Schüler befindet.

Wie schnell Flüchtlinge in normalen Klassen integriert werden sollen, darüber sind sich auch die Experten uneinig. Die einen fordern eine sofortige Integration. Deutsch sollen sie entweder direkt im Fachunterricht oder in zusätzlichen Fördergruppen lernen. Andere halten Vorbereitungsklassen wie die von Andrea Maier für die bessere Lösung. Studien darüber, in welcher Umgebung die Flüchtlinge besser lernen, liegen für Deutschland allerdings noch nicht vor.

In Maiers Klasse sind mehr als ein gemeinsames Spiel oder Grammatikübungen zum Einstieg in die Stunde nicht möglich. Alle Schüler beherrschen Deutsch auf einem unterschiedlichen Niveau. Eine gemeinsame sprachliche Basis gibt es nicht, Englisch sprechen nur zwei Schüler. Binnendifferenzierung heißt da das Zauberwort: Jeder Schüler erhält unterschiedliche Arbeitsmaterialien. Manchmal können sie zwar zu zweit oder in Kleingruppen arbeiten, meist müssen sie aber individuell lernen.

Seite 1:

Grundschulniveau wäre schon ein Erfolg

Seite 2:

Warum die meisten nie das Abitur erreichen werden

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%