Internetauktionen: Fantastillionen mit dem Online-Kunsthandel

InternetauktionenFantastillionen mit dem Online-Kunsthandel

Das Kunsthandelsportal „Auctionata“ drängt aggressiv auf den Markt. Allerdings ist das Web nur ein Verkaufskanal von vielen. Und ab einem gewissen Preisniveau lässt sich Kunst online nicht versteigern.
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WienDer Verbindung zwischen dem Internet als New und dem Kunstmarkt als Old Economy war unendlich viel vorausgesagt geworden. Nur ein Bruchteil sollte sich erfüllen, und manche holten sich eine blutige Nase: Sotheby's etwa, wo das Abenteuer Online-Auktionen trotz Kooperation mit eBay und rund 100 Millionen investierten Dollar als wirtschaftliches Desaster endete. Eine der Lektionen der Ernüchterung: Ab einem gewissen Preisniveau lässt sich hochwertige Kunst nicht online versteigern. Bis auf wenige Einzelfälle ist das bis heute so geblieben.

Auf dem Kunstmarkt ist das Web nur ein Verkaufskanal von vielen, bestätigen Studien und beziffern den zuordenbaren Umsatzanteil mit etwa zehn Prozent. Immerhin, zehn Prozent eines global deklarierten Volumens von 64 Milliarden Dollar (Tefaf-Studie 2012) inspirieren auch den Bereich E-Commerce, wie das Beispiel Auctionata zeigt.

Via Berlin setzte das vom Österreicher Alexander Zacke (CEO) gegründete Kunsthandelsportal im Herbst 2012 zu einem Eroberungsfeldzug an. Nützen kann diese Plattform jeder, ein digitales Foto des Objekts und die Schätzung eines Auctionata-Experten später startet der Verkauf via Shop oder Auktion. Unterstützt wird das Start-up von namhaften Kapitalgebern, unter anderen von Holtzbrinck Ventures oder "eVentures Capital Partners".

13,2 Millionen Euro wurden bislang investiert, spätestens in vier Jahren erwartet man stattliche Gewinne: Auf Basis von Umsatzprognosen in einer Größenordnung mehrerer Hundert Millionen Euro per annum, wie "eVentures" bestätigt.

Fantastillionen oder eine Frage der Perspektive? Auctionata beziffert den globalen Umsatzkuchen mit stolzen 300 Milliarden Dollar. Ein erstaunlicher Umfang, den man auf Anfrage mit "Marktanalysen und -schätzungen verschiedener Investmentfonds" erklärt. Details wolle man nicht nennen. Stattdessen verweist man auf den "überwältigenden Erfolg" der ersten Live-Auktion (7.12.12) und auf das "weltweit größte Expertennetzwerk" (177 laut Website, 230 laut Aussendung): Mit einer Verkaufsquote von 57 Prozent (Umsatz 345 000 Euro inklusive Aufgeld) für ein Varia-Aufgebot ist das eine relativ; das andere stimmt, verglichen mit internationalen Auktionsgiganten, schlichtweg nicht.

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Geschäftsmodell „Kunst per Katalog“

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  • Auch prima um Geld zu verschieben. Den Wert eines "Kunstwerkes" bestimmt stellenweise eine Agreement zwischen (armeem) Künstler und (reichem) Erstkäufer (Mäzeen). Was ein Kunstwerk wirklich wert ist sieht man frühestens bei einer Auktion mit unabhängigen Bietern.

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