Internethandel
Kunstkauf im Web - Sackgasse oder Broadway?

Der Online-Markt für Kunst wächst. Doch die meisten Sammler kaufen im Internet nur, wenn sie das Werk schon kennen. Ohne den persönlichen Kontakt mit den Galeristen wächst kein Vertrauen. Die Voraussetzung für gute Geschäfte im Netz.
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Köln„Der Klick zur Kunst: Der Kunstmarkt und das Internet“ – zu diesem Thema trafen sich auf der NADA Cologne die Pioniere des Internet-Kunsthandels zu einem Erfahrungsaustausch. Treffpunkt war die NADA-Bar. NADA, das ist die New Art Dealers Alliance aus New York, gegründet vor zehn Jahren zur Förderung aller, die professionell mit zeitgenössischer Kunst zu tun haben. Es blieb nicht aus, dass NADA auch bald als Messemacher agierte, 2003 zum ersten mal mit der NADA Miami Beach.

Zur Premiere auf der Art Cologne bot NADA – als eigenständige Messe auf der Messe – den 33 Jung-Galerien die Möglichkeit, sich bereits eine Woche vor Messebeginn auf der Online-Plattform Paddle 8 zu einem virtuellen Rundgang für Sammler zu präsentieren. Die Sammler konnten im Vorfeld auch schon Reservierungen vornehmen. Inwieweit das Angebot auch genutzt wurde, ist nicht publik. Immerhin konnte die Kölner Galerie Schmidt&Handrup den Regenschirm aus Hermès-Tüchern von Timo Seber für 5.600 EUR über Paddle 8 an den Sammler bringen.

Größere Sichtbarkeit

An der NADA-Diskussionsrunde zum Verkauf von Kunstwerken über verschiedene Internet-Plattformen, moderiert von Florian Baron, dem Gründer von The Spotlist  in Hamburg, beteiligten sich Betina Bethlem (Paddle 8), Clayton Press (Kunstberater und Vorstandmitglied von Collectors Spot), Dr. Peter Smeets (Sammler und Vorstandsmitglied des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt), Carl Friedrich Schroer (freier Journalist, Macher von Eiskellerberg TV in Düsseldorf) und Christian Schwarm, Sammler und Geschäftsführer von Independent Collectors.

Der Online-Markt wächst, darin waren sich alle Teilnehmer einig. Doch sei der Kunstmarkt kein Massenmarkt wie das Amazon-Buchgeschäft. Internet hin oder her. Verglichen damit betrifft der Kunstmarkt nur eine relativ kleine Gruppe. Doch durch Web-Seiten wie Florian Barons „The Spotlist“ oder Paddle 8  von NADA ist die Sichtbarkeit größer geworden.

„Es wird auch etwas kaputtgehen“

Carl Friedrich Schroer brauchte als freier Journalist keinen berufsbedingten Optimismus zu verbreiten. „Alle Möglichkeiten, Kunst zur Geltung zu bringen und zu vermarkten, werden ausgeschöpft. Dabei gibt es Gassen und Sackgassen. Aber wir wissen nicht, ob das Internet eine Sackgasse ist oder der Broadway.“ Er befürchtet einen Verdrängungswettbewerb. „Man glaube ja nicht, dass alles gleichzeitig immer nur größer wird. Es wird auch etwas kaputt gehen. Wir stehen wahrscheinlich erst am Anfang.“ Insofern seien ein junger Markt wie NADA und das Internet geborene Partner.

Persönliche Kontakte schaffen Vertrauen

Ein junger Sammler kann sich den Kunstmarkt ohne das Internet schon gar nicht mehr vorstellen. Doch ein erfahrener Sammler wie Peter Smeets meinte kurz und bündig: „Die Live-Situation auf dem Kunstmarkt ist unabdingbar.“ Internet-Informationen über Künstler und Galerien braucht er auch. Aber Kunst kaufen im Internet würde er nur, wenn er das Werk schon kennt. „Es ist der persönliche Kontakt mit den Galeristen, der Vertrauen schafft.“

Diesen Satz würde Florian Baron, Begründer von The Spotlist in Hamburg vor gut einem Jahr, voll unterschreiben. Sein Werdegang vom Mitarbeiter der Galerie Christian Nagel in Köln zum eigenen Kunst-Lager in Hamburg als Grundlage für den Online-Handel würde ohne persönlichen Kontakt zu den Sammlern auch nicht funktionieren.

Mit Fundstücken angefangen

Wie kam Baron überhaupt auf die Idee zur Online-Galerie? In der Kölner Zeit bei Nagel hatte er selbst angefangen „ein bisschen Kunst zu sammeln“ und die Erfahrung gemacht, dass namhafte Galerien mit ihren Ausstellungen so beschäftigt sind, dass sie darüber die kleineren, guten Arbeiten im Lager vergessen. Er zog nach Hamburg, ließ eine Website entwerfen, auf der er die „Fundstücke“ ausstellte. Dann mietete er ein Lager an, um die Kunstwerke in eigener Regie zu verschicken und verschiffen. „Mein erster Verkauf war ein Albert Oehlen-Print an eine Sammlerin in Berlin – so kam dann eins zum anderen.“ Dass man damit reich wird, könne er nicht behaupten: „Das ist wohl eher eine Leidenschaft.“

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