Interview
„Es gab nur einen Boss“

Sönke Wortmann im Weekend-Journal-Interview über die Fußballkünste von Michael Schumacher, wahre Helden und wunderbare Zeiten.

Weekend Journal: Herr Wortmann, Sie haben 1980 Ihren Verein, die Spielvereinigung Erkenschwick, im Spiel gegen Bünden 08 in die zweite Bundesliga geschossen. Wie sieht es heute mit Ihren Fußballkünsten aus?

Wortmann: Ich trete noch zweimal im Jahr bei einem Prominenten-Spiel in Mannheim gegen die Elf von Michael Schumacher an. Mir macht das immer riesigen Spaß, vor einer 20 000-Zuschauer-Kulisse zu spielen.

Dann können Sie ja die nächste Frage aus allernächster Anschauung beantworten: Spielt Michael Schumacher wirklich auf Zweitliga-Niveau?

Was seine technischen Fähigkeiten angeht, könnte das funktionieren. Auf der anderen Seite hat Michael im Spiel auch viel Zeit und Raum für die Ballannahme ...

... das muss wohl so sein. Ferrari hat bestimmt kein Interesse an einem lädierten Formel-1-Piloten, dem übereifrige Gegenspieler zu Leibe rücken.

Da könnte was dran sein.

In Ihrem Film „Das Wunder von Bern“ gehen die Protagonisten anders zur Sache. Seit wann beschäftigt Sie der Gewinn der Fußball- Weltmeisterschaft 1954?

Mit dem Projekt beschäftige ich mich mit Unterbrechungen schon seit 15 Jahren. Es hat so lange gedauert, weil ich wusste, dass ich bei diesem Film, dem ein solch epochales Ereignis zu Grunde liegt, viel falsch machen kann. Aus diesem Grund macht eine lange Vorbereitungsphase schon Sinn.

Ganz billig war „Das Wunder von Bern“ auch nicht zu haben.

Richtig. Der Film hat ein Produktionsvolumen von 7,5 Millionen Euro. Nach dem Film „Marlene“ von Josef Vilsmaier ist das bisher die zweitteuerste deutsche Produktion. Mit Senator haben wir schließlich eine Produktionsfirma gefunden, die „Das Wunder von Bern“-Wagnis auf sich genommen hat.

Verbirgt sich denn hinter dem sportlichen Titel ein reiner Fußball-Film?

Für mich ist das kein Sportfilm, sondern eher ein Heldenepos. Fußball wird nur 20 Minuten in meinem Film gespielt.

Wer sind die wahren Helden in Ihrem Film?

Zum Beispiel die Mutter, die nach dem Krieg im zerstörten Essen ihre drei Kinder alleine groß zieht und „nebenbei“ noch eine Kneipe schmeißt – das ist für mich eine wahre Heldin.

Kommen wir zurück zu den Größen auf dem grünen Rasen. Sie haben sich für Helmut Rahn entschieden. Warum nicht für die „54er“-Fußball-Legenden Fritz Walter oder den Torwart Toni Turek?

Es gab einfach keinen Besseren als Helmut Rahn. Der Mann ist als Ersatzspieler zur Weltmeisterschaft mitgefahren, kommt nur hin und wieder zum Einsatz, schießt im Endspiel zwei Tore und bereitet eines vor – einen besseren Helden für diesen Film gab es nicht. Helmut Rahn war 1954 im wahrsten Sinne der „Boss“ und nicht Fritz Walter oder Toni Turek.

Vom „Boss“ der Fußballer nun zu Ihnen und den professionellen Filmkritikern. Die attestieren Ihrem „Wunder von Bern“ eher eine durchwachsene Leistung.

Filmkritiken stören mich nicht, weil ich sie nicht lese. Was für mich zählt, ist einzig, dass der Film kürzlich bei den Festspielen in Locarno den Publikumspreis gewonnen hat. Das bestätigt mich in meiner Arbeit, denn ich mache Filme für das Publikum und nicht für den einen oder anderen Filmkritiker.

Könnten Sie sich vorstellen, noch einen weiteren Fußball-Film zu drehen?

Mein Bedarf an diesem Genre ist erst einmal gedeckt, ich habe keine weiteren Ambitionen in dieser Hinsicht. Wenn ich aber mal wieder solche filmischen Anwandlungen bekommen sollte, würde ich einen Film über den SC Freiburg machen.

Das Gespräch führte Dieter Hintermeier

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