Interview mit Art Cologne-Chef Goodrow
„Wir sind nicht cool“

Die „Mutter aller Kunstmessen“ feiert ihren 40. Geburtstag und zugleich ihren Neubeginn. Kunstmanager Gérard Goodrow (41) hat die Anzahl der Aussteller um ein Drittel reduziert. Nur noch 185 Galerien werden vom 1. bis zum 5. November in Köln moderne und zeitgenössische Kunst anbieten. Ab kommendem Jahr wechselt die Art Cologne auf einen Frühjahrestermin.

Handelsblatt.com: Verschlankung, infrastrukturelle Optimierung, einschneidende Veränderungen – so lesen sich Ihre Mitteilungen zum 40. Geburtstag der Art Cologne. Sind Sie Kulturmanager oder Sanierer, Herr Goodrow?

Gérard Goodrow: In jedem Fall Kulturmanager! Die Art Cologne muss nicht saniert werden, aber gerade weil wir jetzt im 40. Jahr sind, ist es an der Zeit, sich selbst in Frage zu stellen. Da macht es keinen Unterschied, ob es sich um eine Kunstmesse oder ein Unternehmen handelt. Vor allem Kultureinrichtungen müssen sich aber immer wieder überprüfen: Sind wir das, was das Publikum will und braucht? Spiegeln wir den Kunstmarkt wider oder nicht?

Sie sind dann ja offensichtlich zu dem Ergebnis gekommen, dass sich etwas ändern muss.

Die Idee, weniger Galerien einzuladen, kam überwiegend von außen. Die Sammler sagten, die Messe sei zu groß und nicht mehr zu bewältigen. Die Galeristen klagten, durch zu viele Aussteller werde die Messe verwässert. Darum wollten wir ganz genau wissen, was die Kundschaft will und haben bei einem Marktforschungsinstitut eine Studie in Auftrag gegeben. Unsere Topkunden und jene, die wir gerne als solche hätten sollten dabei auch angeben, welcher der ideale Zeitpunkt für die Art Cologne wäre. Und wir lagen mit unserem angepeilten Termin im Frühjahr goldrichtig!

Sie sprechen von einem Neubeginn der Art Cologne. Zum Konzept gehören auch Restaurants, die sich im Design an der ausgestellten Kunst orientieren sollen. Kann so etwas wirklich das angekratzte Image der Messe aufmöbeln?

Es geht um Aufenthaltsqualität. Die Sammler und Museumsleute sollen so lange wie möglich auf der Messe bleiben wollen. Und wenn alles stimmt, wenn die VIP-Räume ansprechend und bequem sind, wenn das Essen gut ist, dann bleiben sie länger. Mal ehrlich: Die Leute geben hier so viel Geld aus – im vergangenen Jahr 75 Millionen Euro. Warum sollten sie sich dann in der Mittagspause mit einem Tablett durch ein Selbstbedienungslokal schleusen.

Viel Drumherum; wo bleibt die Kunst?

Ich bin der Manager, das ist der Unterschied. Die Inhalte kommen von den Ausstellern, nicht von uns. Wir bieten die Rahmenbedingungen, die Infrastruktur und das Leitsystem durch die Hallen. Die Galeristen machen den Markt. Wir sind der Dienstleister.

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