Interview mit dem Autor von „Angst"
Harris plant Fortsetzung des Finanzmarkt-Thrillers

Robert Harris' neues Werk, der Thriller „Angst“, endet dort, wo der Autor eigentlich weiterschreiben wollte: mit dem so genannten „Flash Crash“. Daher ist eine Fortsetzung geplant. Zuerst komme aber das „Angst“-Drehbuch.
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BerlinWas haben Sie am 6. Mai 2010 gemacht?

Ich hatte damals schon entschieden, ein Buch über einen Hedgefonds mit Sitz in Genf zu schreiben. Am 6. Mai waren Parlamentswahlen in Großbritannien, und ich bin am späten Nachmittag wählen gegangen. Als ich wieder zu Haus war und die Nachrichten einschaltete, wurde zu meiner Überraschung nicht über die Wahlergebnisse, sondern über den Kurssturz an der amerikanischen Börse berichtet. Es war genau das gleiche Szenario, über das ich gerade für meinen Roman nachgedacht hatte. Das war schon ein etwas gruseliger Moment, einer von mehreren beim Schreiben dieses Buches.

Wann kam Ihnen die Idee zu dem Thema?

Das ist schon lange her, etwa zwölf Jahre. Ich habe mich immer sehr für George Orwells „1984“ interessiert, und ich habe gedacht, es wäre interessant, meine eigene Version davon zu schreiben. Aber mir erschien nicht mehr der Staat als die Bedrohung für die Freiheit, sondern Aktiengesellschaften, Technologie, das Internet, Computer-Algorithmen. Dann habe ich es aber nie geschafft, diesen Roman zu schreiben, am Ende gab ich auf. Nach der Lehman-Brothers-Pleite habe ich angefangen, ernsthafter auf dieses Thema zu blicken. Und nachdem ich die Analysen zum 6. Mai gelesen hatte, wusste ich, dass es eine gute Idee wäre, das Buch genau an diesem Tag spielen zu lassen.

Haben Sie selbst in der Finanzkrise Geld verloren?

Fast. Ich hatte Geld in AIG gesteckt, den großen US-Versicherungskonzern, der 2008 in die Krise geriet. Viele Leute haben da Geld verloren. Ich hatte Glück, dass die Bank meine Verluste übernommen hat. Aber es war für mich eine Mahnung nicht zu vergessen, dass so etwas nicht sicher ist.

Haben Sie vor dem Schreiben „Frankenstein“ gelesen?

Ja. „Frankenstein“ war schon vor zwölf Jahren in meinem Kopf. Aber nach meiner Vorstellung würde die neue Lebensform, das neue Monster kein Tier, kein Roboter sein, sondern eine digitale Einheit. Die Monster von heute sind Computerprogramme. Es gibt einen digitalen Sumpf, in dem Wesen entstehen, die keine Form in der wirklichen Welt haben, aber von Rechner zu Rechner wandern können.

Glauben Sie, Computer sind nicht mehr zu kontrollieren?

Das ist fast unmöglich. Wir sind abhängig von ihnen, wir wären hilflos ohne sie. Wir brauchen sie in allen Aspekten des Lebens, für die Kommunikation bis zu der Art, wie wir unsere Autos parken, das ist die Welt in der wir leben.

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„Es ist ein bisschen wie in 1984“

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