Interview mit Edward Dolman, Christie’s-Chef
„Das 200-Millionen-Dollar-Bild kommt“

Edward Dolman ist Chef des privaten Auktionsriesen Christie’s und glaubt, dass Kunst für die Superreichen noch nie eine so wichtige Rolle spielte wie heute – als Investition und Lebensinhalt. Ein neuer Käufertypus nutzt die großen Versteigerungen wie globale Handelsbörsen.

Handelsblatt: Mr. Dolman, schlafen Sie noch gut? Ein Warhol für 73 Millionen Dollar, das kann doch nicht gut gehen?

Edward Dolman: Ich schlafe sehr gut. Wir hatten in diesem Jahr Rekordauktionen in Hongkong, in New York, in London. Unsere Rentabilität war nie so groß. Der Kunstmarkt war nie so stark. Es gab für uns noch nie eine so gute Zeit.

Angst, dass dies eine irrationale Preisblase ist, die demnächst platzt, haben Sie nicht?

Nein. Ich glaube, dass sich der Kunstmarkt strukturell geändert hat. Wir hatten noch nie so viele Kunden aus so vielen Erdteilen, die im Spitzenbereich mitbieten. Bei der letzten Hochpreisphase 1991 zahlten nur die japanischen Investoren die hohen Summen. Als die wegblieben, hatte das katastrophale Konsequenzen. Nun haben wir Käufer aus Europa, den USA und Kanada, Südamerika, Russland, Indien, China, ganz Asien.

Was sind das für Leute, die solche Summen für Kunst ausgeben?

Sie sind phantastisch reich. Die Öffnung der Märkte im Fernen Osten, die weltweite Liberalisierung der Finanzmärkte hat Einzelpersonen so reich wie nie zuvor gemacht. Und die Kunst wird anders wahrgenommen. Früher hatten wir es mit einer kleinen Sammlerelite zu tun, die vor allem an alter Kunst interessiert war und sich in ihrem Lifestyle an vergangenen Epochen orientierte. Die neuen Sammler leben in einer globalisierten High-Tech-Gesellschaft und wollen Bilder, die diese Erfahrung spiegeln. Warhol ist das perfekte Beispiel dafür.

Wird aus Vergnügen gekauft oder, um Gewinn zu machen?

Niemand gibt 20 Millionen Dollar aus und denkt, dass es am nächsten Tag nichts mehr wert ist. Die Sammler wissen genau, dass Kunst ein Vermögenswert ist. Es gab ziemlich steile Wertsteigerungen in den letzten Jahren, und die Käufer denken, dass das so weitergehen könnte. Aber ich glaube nicht, dass die Investition das Hauptmotiv ist. Sie wollen wirklich große Kunst des späten 20. Jahrhunderts an ihren Wänden haben.

Die Forbes-Liste führt derzeit 946 Milliardäre. Sind das alles Christie’s-Kunden?

Ein paar verweigern sich noch, aber wir arbeiten daran. Im Ernst, für viele in dieser Gruppe steht Kunst heute im Mittelpunkt ihres Lebens. Das ist das dritte Element dieses Strukturwandels. Überall in der Welt werden Privatmuseen zusammengestellt. Und dann haben natürlich auch die immens reichen Hedge-Fonds-Manager ihre Sammlungen.

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