Interview mit Sebastian Koch
„Man braucht keine 160 Millionen für einen Film“

Für seine Rolle im Oscar-gekrönten Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ erhält Sebastian Koch gemeinsam mit Ulrich Mühe und Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck 2006 den Quadriga-Preis. Aktuell ist der 47-Jährige in der Fontane-Verfilmung „Effi Briest“ im Kino zu sehen. Im Interview spricht der Schauspieler über seine Rollenauswahl und seinen Blick auf die Wirtschaft.

Herr Koch, Wirtschaft und Unternehmen kennen Sie aus Ihren Rollen. Sie haben mal den Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn gespielt. Warum wurde der Film bisher nicht öffentlich gezeigt?

Das war ein Doku-Fernsehspiel zu Reinhard Mohns 85. Geburtstag – ein Geschenk von Bertelsmann an ihn, eine interne Produktion. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass der Film irgendwann gesendet wird. Mich begeistert Reinhard Mohn als Unternehmer. Er hat etwas gewagt, etwas Großes aufgebaut, und eine sehr eigene erfolgreiche Betriebsphilosophie entwickelt. Und er ist nach dem großen Wirtschaftswunder nicht stehen geblieben, sondern hat immer die Konkurrenz gesucht, immer neue Wege sich und sein Unternehmen zu erfinden.

Die aktuelle Wirtschaftskrise bietet doch auch genügend Stoff für Filme. Haben Sie schon entsprechende Angebote?

Die Krise ist für mich sehr nachvollziehbar, und eigentlich nur eine Konsequenz aus den vergangenen Jahren, eine Blase, die geplatzt ist. Aber das Kino braucht immer eine gewisse Zeit, bis es auf aktuelle Zeitströmungen künstlerisch reagieren kann. Jemand muss zuerst die Drehbücher schreiben.

Ihr Name ist in den Medien eine begehrte „Marke“, weil Sie beliebt sind in Deutschland. Wie pflegen Sie sie?

In dem ich sehr genau aussuche, was ich tue. Ich versuche, dieser Verantwortung gerecht zu werden, weil ich weiß, dass Menschen an der Kinokasse Geld ausgeben, um einen Film zu sehen. Speer, Stauffenberg, Dreymann in „Das Leben der Anderen“, Seewolf, das sind Beispiele dafür, dass ich versuche, mich nicht zu wiederholen. Das heißt aber auch: Ich gehe jedes Mal wieder ein Risiko ein, fange jedes Mal wieder ganz von vorne an, mit dem Risiko zu scheitern, es nicht zu schaffen.

Diese Woche hatte die Neuverfilmung von „Effi Briest“ Premiere auf der Berlinale. Was hat Sie an der Romanvorlage Theodor Fontanes gereizt? Der Stoff ist ja schon einige Male verfilmt worden.

Es ist eine hervorragende Idee, den Roman heute neu zu verfilmen. Vor gerade einmal hundert Jahren waren die Werte, mit denen unsere Großmütter aufgewachsen sind, so hoch gesteckt, so einengend, dass es im Laufe der Zeit verschiedene, immer radikalere Befreiungsversuche gab – bis hin zur sogenannten sexuellen Revolution. Jetzt leben wir in einer Zeit, wo wieder nach Werten gefragt wird. Die Gesellschaft verspürt Lust, eine Form zu finden, sich auf Werte zu besinnen. Der Film gibt uns die Möglichkeit zu sehen, woraus wir uns eigentlich befreit haben. Welche Werte können wir aus dieser Zeit übernehmen, was müssen wir anders machen?

Der von Ihnen verkörperte Baron von Innstetten ist nicht gerade ein Sympath.

Ich versuche, das moralische Gefängnis meiner Gattin Effi mit großer Fürsorge zu leiten. Innstetten ist selber in Normen und Formen aufgewachsen. Er ist so beschäftigt mit seiner strebsamen Politiker-Karriere, dass er alles Menschliche um ihn herum vergisst. Er will nicht böse sein, er meint es gut. Der Freiheitsdrang seiner Frau ist eine Bedrohung für ihn – ein sehr männlicher Zug übrigens.

Die Regie bei „Effi Briest“ hat Hermine Huntgeburth geführt. Wie ist es, wenn eine Frau beim Drehen das Sagen hat?

Ich kenne und schätze sie schon lange. Sie hat einen bezaubernden Humor, dadurch ist die Arbeit mit ihr selbst bei einem ernsten Stoff sehr spontan und witzig. Unsere Arbeitsbeziehung funktioniert wunderbar über diesen Humor.

Ende 2008 waren Sie mit dem Liebesdrama „In jeder Sekunde“, dem Erstlingsfilm des jungen Regisseurs Jan Fehse, im Kino. Wie oft spielen Sie in solch kleineren Film mit?

Der Film hat mich einfach angesprochen. Das Letzte, was ich zuvor in Deutschland gemacht hatte, war „Das Leben der Anderen“. Auch ein Film von einem Regisseur, der sich mit seiner künstlerischen Vision durchgesetzt hat, der ‚sein Ding‘ gemacht hat.

Arbeiten Sie mit unbekannten Filmemachern sozusagen „zwischendurch“ zusammen – oder gehört das zum festen Programm?

Das ist nicht so wichtig. Für mich gibt es nur gute Geschichten und gute Leute. Mit denen versuche ich zu arbeiten. Ob das in Hollywood ist oder woanders, ist völlig gleichgültig. Ich mache Filme nicht nur um der Karriere Willen, aber natürlich muss ich Geld damit verdienen. Das heißt, nur „kleine“ Filme zu machen, geht auch nicht. Aber ich habe mit Erna Baumbauer eine wunderbare Managerin, die mir hilft auszuwählen und abzuwägen.

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