Islamische Kunst
Gefecht um einen Ohrendolch

London hatte die besten Islam-Auktionen seit Jahren. Kunst aus islamischen Ländern und Indien boomt. Die Nachfrage aus den Herkunftsländern wächst. Privatsammler tragen das Geschäft, aber auch Museen sind unter den Käufern.
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LONDON. In der ersten Oktoberwoche 2010 präsentierten die Londoner Auktionshäuser die reichhaltigsten Islamauktionen seit Jahren und entsprechende Spitzenergebnisse. Der Bereich boomt. Kunst aus den drei großen Kulturbereichen Islam, Indien und dem osmanisch-türkischen Kulturkreis ist bei Sammlern aus wirtschaftlich wachsenden Gebieten begehrt. Sie hat aber auch international wieder mehr Aufmerksamkeit gewonnen. Sotheby's Experte Edward Gibbs spricht von einer "ungebremst wachsenden Nachfrage nach Kunst aus dem islamischen Raum".

Jahre war der Markt nicht so in Bewegung

So wurden die Schätzungen vielfach übertroffen. Sotheby's nahm in einer umfangreichen Tagauktion vom 6. Oktober 18 Mio. Pfund ein; am Vortag wurde in der ersten Abendauktion des Segments eine "prinzliche Sammlung" für 7 Mio. Pfund verkauft. Beide Auktionen zusammen hatten eine Vorbewertung von 14 Mio. Pfund. Auch nach Losen war der Absatz gut. Christie's verkaufte in der Auktion am Vortag Kunst für 11 Mio. Pfund und setzte dabei 82 Prozent nach Wert ab. Entsprechend fielen bei Sotheby's die Ergebnisse aus. Der Markt ist in Bewegung wie seit Jahren nicht.

Symbolische Jagd auf Christen

Das wichtigste Los in diesem fast ausschließlich dem Kunsthandwerk vorbehaltenen Auktionen kam fast ganz zum Schluss: ein "Ohrendolch" aus dem Nasridenreich der Emire von Granada. Er war wegen seiner Seltenheit von Sotheby's auf 600/800.000 Pfund taxiert, schlug diese Schätzung aber mit einem Letztgebot von (mit Aufgeld) 3,74 Mio. Pfund oder 4,4 Mio. Euro in den Wind.

Laut Gibbs existieren nur drei vergleichbare Dolche dieser Art, alle in Museen. Sie haben ihren Namen von den "ohrenförmigen" Scheiben, in denen der Knauf endet. Die Damaszierung, eine dicht eingelegte Dekoration, zeigt einen Jäger mit Armbrust, der auf einen Löwen schießt - vielleicht ein Symbol für die Nachbarn der Nasriden, den Christen in Kastilien-León.

Osmanische Metallarbeiten behaupten sich

Metallarbeiten aus dem osmanischen Raum waren stark. Angeführt wurden sie von einer Kanne mit Becken der Safaviden aus dem 16. Jahrhundert. Das mit dichter, teilweise noch farbig emaillierter Gravur aus kalligrafischen Elementen und Palmettendekor verzierte Gefaß verdreifachte die Schätzung auf knapp über eine Million. Pfund.

Safaviden-Teppich aus Karlsruher Besitz

Ein weiteres Millionenobjekt war der "Karslruher" Safaviden-Teppich, so genannt, weil er einmal in einer Privatsammlung in Karlsruhe war. Er gehört zur "Salting" Gruppe von etwa 80 Perserteppichen, von denen im vergangenen Jahr ein Beispiel aus Schweizer Besitz seine Schätzung von 80/120.000 Pfund auf 2,7 Mio. Pfund überschritt (Sotheby's). Nun waren für den Teppich mit Gebetsnischen-Design 1 bis 1,5 Mio. Pfund geschätzt. 1,2 Mio. Pfund wurden erzielt.

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  • Hallo,
    endlich mal eine der wenigen Zeitung, die sich diesem Thema widmet. bravo. Kunst ist seit Jahren eine sinnvolle Ergänzung fürs Portfolio, nicht immer nur Gold.
    Dieses Thema brachte ich auch gleich hier unter:
    http://lynxx-blog.blogspot.com/2010/10/art-of-islamic-world-auktionen-der.html
    Hoffe auf Fortsetzungen.
    Danke schön.

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