Italien
Wie der Staat den Markt hemmt und Canaletto und verkauft bleibt

Italien hat Ausfuhrverbot auf drei Stadtansichten auf Venedig von Canaletto und Guardi verhängt. Doch die Begründung ist nicht nachvollziehbar. So verliert Mailand weiter an Bedeutung für den Handel mit Alten Meistern.
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ROM. Es sollte das Ereignis der Saison werden: Gleich zwei Gemälde von Antonio Canal, genannt Canaletto, suchten einen neuen Besitzer. Die Auktion (Sotheby's Mailand, 19. Oktober) wurde aber ein Flop. Der Grund liegt just in der Zahl zwei. Denn der Staat hatte die Gemälde nicht nur zum Kulturgut von nationaler Bedeutung und somit nicht exportierbar erklärt, sondern auch zum Paar. Sie stammten aus einer Serie und hatten die gleichen Maße! Doch die 20 Gemälde der so genannten Harvey-Serie angehören, längst zerstreut. Dass die beiden Stadtansichten weder als Pendant gedacht waren noch denselben Schätzwert hatten, kümmerte die staatlichen Kulturhüter nicht weiter, Hauptsache sie blieben zusammen - wenn auch unverkauft. Die Angebote kletterten zwar bis auf 4,2 Mio. Euro hinauf, doch lagen sie damit eben unterhalb der Taxe von 4,5 bis 6 Mio. Euro, die sich aus der Summe der Schätzwerte der beiden Veduten - "Canal Grande" 3 bis 4 Mio. Euro und "Campo San Geremia", 1,5 bis 2 Mio. Euro - ergab.

Schaden für den Marktplatz Italien

Nach der ersten willkürlichen Entscheidung für eine markthemmende Zwangsgemeinschaft befand der italienische Staat auch eine weitere Ansicht der Lagunenstadt als kulturschutzbedürftig. Er verhängte einen Tag vor der Auktion die "Notifica", das Ausfuhrverbot für die "Fahrt der Dogen-Galeere zum Lido San Nicola" von Francesco Guardi (Taxe 1,2 bis 1,5 Mio. Euro). So hatte auch die in schillernden Farben gemalt spirituelle Vermählung Venedigs mit dem Meer, wie sie zu Christi Himmelfahrt in der Venezianischen Republik gefeiert wurde, das Nachsehen. Den Schaden hat Sotheby's, dessen Mitarbeiter am Tag der Versteigerung den Interessenten das über Nacht entschiedene Exportverbot erklären mussten - was der Stimmung im Saal nicht eben zuträglich war. Niemand bezweifelt, dass Kulturgüter, die für das Herkunftsland von Bedeutung sind, demselbigen auch erhalten bleiben mögen. Aber durch willkürliche und kurzfristige Erlasse erleidet der Markt für Alte Meister in Italien einen nur schwer wieder gut zumachenden Schaden. So büsst er seine internationale Stellung weiter ein.

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