Janosch wird 85: Mit Tiger und Bär von der Hölle ins Paradies

Janosch wird 85
Mit Tiger und Bär von der Hölle ins Paradies

Janosch hat nicht nur die Tigerente geschaffen. Seine Kinderbücher und Romane sind voller skurriler Figuren. Mit Herz und Witz meistern sie das Leben – so wie der Künstler und Autor, der nun 85 Jahre alt wird.

MünchenTiger und Bär suchen das Land ihrer Träume. Als sie eine köstlich duftende Bananenkiste finden, steht ihr Sehnsuchtsziel fest: Panama. Fröhlich brechen die Freunde auf, nur um am Ende zu merken, dass das Glück stets da war, in ihrem Häuschen am Fluss. „Jeder lebte schon immer im Paradies, hat es nur nicht gewusst“, kommentierte der Schriftsteller und Maler Janosch mal sein berühmtes Kinderbuch „Oh wie schön ist Panama“. Eine friedliche, fröhliche Welt hat er darin geschaffen. Im Kontrast dazu stehen seine Werke für Erwachsene, die Einblicke in eine harte Kindheit geben. Eines ist allen Büchern gemeinsam: Der Humor, die kräftige Sprache und die treffenden, wunderschönen Bilder, mit denen Janosch seine Werke illustriert. Am Freitag (11. März) wird der Autor und Künstler nun 85 Jahre alt.

Janoschs eigene Kindheit im oberschlesischen Bergarbeiterort Zabrze (früher Hindenburg) im heutigen Polen war geprägt von ständigen Alkoholexzessen des Vaters und von einer Mutter, die aus Frust gnadenlos auf ihren Sohn einprügelte. Gleichzeitig verstieg sich der Vater im Größenwahn und tobte, wenn sein Sprössling die Hoffnungen nicht erfüllte. Und die Mutter putzte ihn fein heraus und machte ihn in der Schule zum Gespött. „Die ersten Jahre meines Lebens waren die totale Zerstörung meiner Person“, sagte Janosch, der eigentlich Horst Eckert heißt, mal der „Süddeutschen Zeitung“.

Als grauenhaft empfand er auch die streng katholische Erziehung, die ihn mit Ängsten vor Fegefeuer und Sünde peinigte. Dann die „Quälerei der Hitlerjugend“, wie er es beschreibt, der Zweite Weltkrieg, 1946 die Aussiedlung und der Neubeginn in Oldenburg. Vieles floss in seine Werke ein, etwa in „Cholonek oder der liebe Gott aus Lehm“. Mal knallhart, dann aber auch wieder wehmütig schildert er die Erlebnisse in der grauen Arbeitersiedlung, wo er seine Kindheit verbrachte.

Schöne Erinnerungen waren kostbar - etwa die an zwei Weihnachtsfeste. Der Vater war aus dem Krieg zurück, die Familie hatte alles verloren. Aber es gab Geschenke: Mais mit Rosinen und im Jahr darauf einen Mantel. „Das war ein wahres Geschenk - ich könnte heute noch vor Freude heulen“, sagte Janosch einmal der „Frankfurter Rundschau“.

Vielleicht sind es gerade diese Erfahrungen, die Janoschs Bücher so besonders machen. Ein Gegenentwurf zu seinem wirklichen Leben, das er später lange Zeit mit Alkohol aus seinem Kopf zu verdrängen suchte. Sein selbstgeschaffenes Paradies auf dem Papier war bunt und naiv, bevölkert mit skurrilen Wesen, die sich gegen Obrigkeiten, Anmaßungen und Ungerechtes wehren - aber nicht mit Gewalt, sondern verschmitzt und mutig, mit Verstand und Herz. „Bei Janosch werden die zu Helden, die sonst niemand beachtet“, schreibt „Zeit“-Redakteur Tillmann Prüfer im Nachwort zum Buch „Herr Wondrak rettet die Welt, juchhe!“. Es vereint Janoschs wöchentliche Kolumnen im „Zeit“-Magazin, in denen sein Alter Ego Wondrak seit 2013 das Zeitgeschehen kommentiert.

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„Immer Hängematte“

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