Jean Prouvé
Den Erfinder des Klapphauses ehren

Jean Prouvé war ein begabter Designer, Architekt und Tüftler. Während der Markt den Künstler schon länger feiert, hat sich Prouvés Vaterstadt Nancy Zeit gelassen. Jetzt holt sie das Versäumte mit Ausstellungen und Prouvé-Spaziergängen nach.
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NancyAls der „Konstrukteur“, Erfinder, Möbel- und Häuserbauer Jean Prouvé (1901—1984) in seiner Heimatstadt Nancy starb, schrieb der Designer Georges Patrix im Nachruf: „In der ganzen Welt war er der bekannteste Ingenieur – Architekt, außer in seinem Land: Frankreich“. Diese bittere Feststellung hat hohen Wahrheitsgehalt. In Nancy, einer Hochburg der Jugendstil-Kunst, wo Gallé, Daum, Majorelle und Victor Prouvé, der Vater von Jean, die „Ecole de Nancy“ gründeten, wurde Jean Prouvés Modernität nicht geschätzt. Erst im Jahre 2001, anlässlich seines  100. Geburtstags, organisierte die Stadt drei Ausstellungen. Damals besaß die Stadt kein einziges Prouvé-Werk.

Jetzt aber holt Nancy das Versäumnis nach: man kauft Möbel an, akzeptiert Schenkungen und Dauerleihgaben. Und feiert Prouvé bis zum Herbst mit sechs Ausstellungen in Museen, eingerechnet die permanenten Prouvé-Abteilungen im „Musée des Beaux-Arts“ und im „Musée de l’Histoire du Fer“, dem historischen Eisen-Museum (bis 28.10.). Auch ein informativer Spaziergang durch die Straßen von Nancy zählt zum Prouvé-Programm. Im Prouvé-Parcours inbegriffen ist die Besichtigung seines kleinen Privathauses am Steilhang über der Stadt, in dessen Nähe man sein Bürohaus aus Fertigteilen aufbaute. Das 1954 errichtete Holz-und Metallhaus ist das Resultat der dreißigjährigen Erfahrung und des Erfindergeists der Werkstätten „Ateliers Prouvé“ in Maxéville bei Nancy. Typisch sind z.B. die zum Markenzeichen gewordenen vertikalen Bullaugen-Fensterreihen und die Anwendung von gefalztem Stahl-Blech, sowie die breite Fensterfront.

Erfindergeist und soziales Engagement

Die sechs durchdachten Ausstellungen präsentieren alle Werkaspekte und Lebensabschnitte des Jean Prouvé. Sie vermitteln das Genie, die Arbeitslust, das soziale und moralische Engagement und den unermüdlichen Willen zum Neuanfang: 1944/45, als der in der Résistance tätige Prouvé neun Monate Bürgermeister von Nancy war, entwarf er rasch zu montierende Fertighäuser für die obdachlosen Lothringer. Besonders nachdem ihn sein Finanzier „Aluminium français“ 1956 kündigte und er auf seine eigene Firma, seine Patente und seinen Namen verzichten musste.

Prouvé unterrichtete daraufhin in Paris, eröffnete ein Büro und arbeitete wieder mit Architekten zusammen. Robert Mallet-Stevens lancierte den gelernten Schmied Prouvé 1927 mit einem Auftrag für die Pariser Villa Reifenberg. 1929 gründeten die beiden gemeinsam mit Pierre Chareau die UAM (Union des Artistes Modernes). Später arbeitete Prouvé regelmäßig mit Charlotte Perriand und Pierre Jeanneret zusammen.

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