Jesus-Buch des Papstes
Sehnsucht nach spiritueller Nahrung

Der Papst beschert dem Freiburger Verlag Herder einen Bestseller. Sein Buch „Jesus von Nazareth“ verkaufte sich in deutscher Sprache bereits über 350 000 Mal. Der Erfolg des Buches lässt sich nicht ganz einfach erklären, ist sein Thema doch alles andere als neu.

KÖLN. Papst Benedikt XVI. besucht seit Mittwoch zum ersten Mal Lateinamerika. Doch auf die Übersetzung seines „Jesus von Nazareth“ müssen die über 500 Millionen Spanisch oder Portugiesisch sprechenden Katholiken noch bis nächste Woche warten. Bei der Veröffentlichung am 16. April war es auf Deutsch, Polnisch und Italienisch verfügbar, insgesamt soll das fast 500 Seiten umfassende Werk in 32 Sprachen übersetzt werden. Der Erfolg des Buchs in Deutschland übertrifft schon jetzt alle Erwartungen. Nach eigenen Angaben verkaufte der Verlag Herder bisher schon mehr als 351 000 Exemplare in deutscher Sprache.

Als der damals 28-jährige Dr. Joseph Ratzinger seinen ersten Autorenvertrag bei dem Freiburger Verlag unterschrieb, konnten weder der Großvater des heutigen Verlegers Manuel Herder noch der Theologe selbst vorhersehen, welche steile Karriere vor diesem Autor liegen würde. Mit zwei bescheidenen Beiträgen zur „Auferstehung des Fleisches“ und zum „Auferstehungsleib“ im schon damals renommierten Lexikon für Theologie und Kirche begann seine Autorenschaft bei dem über 200 Jahre alten Verlagshaus.

In einer Handschrift wie ein Pennäler hat er damals seine Unterschrift unter den Vertrag gesetzt, den der Verlag heute wie einen Schatz hütet. Die Partnerschaft hat sich für beide Seiten gelohnt. „Wir haben mittlerweile über 100 bibliografische Einträge als Buch- und Zeitschriftenautor von Papst Benedikt XVI. in unserem Verlagskatalog“, sagt Verleger Manuel Herder stolz.

„Die Sehnsucht nach spiritueller Nahrung ist ungebrochen. Wir selbst haben nicht mit einem solchen schnellen Erfolg gerechnet“, sagt Herder. Der Erfolg des Buchs lässt sich nicht leicht erklären. Denn das Thema ist alles andere als neu. Doch die sechs Millionen Kirchgänger in Deutschland sind immer noch eine treue Leserschaft. Hinzu kommt die gesellschaftliche Bedeutung des Papstes. Er führt sogar die jüngste Liste der 500 wichtigsten deutschen Intellektuellen in der Zeitschrift „Cicero“ an.

Verleger Herder deutet den Erfolg seines Autors auf eine andere Weise: „Die Sprache des Papstes ist klar. Er nimmt den Leser auf eine Reise mit.“ Auch der Saarbrücker Religionswissenschaftler Karl-Heinz Ohlig schrieb – neben scharfer Kritik in der Sache – in seiner wichtigen Rezension in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: „Das klar und verständlich geschriebene Buch verrät in seinen zehn Kapiteln ein meditativ-spirituelles und sehr persönliches Bemühen um die Gestalt Jesu. Es besticht durch eine bemerkenswerte Vertiefung in das Alte und Neue Testament.“

Es wird wahrscheinlich nicht das letzte Buch von Ratzinger bei Herder sein. Der Papst hat im Vorwort bereits selbst angekündigt, dass dem jetzigen Band, der Jesus „Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung“ betrachtet, ein zweiter folgen wird. Auf entsprechendes Interesse nicht nur bei Katholiken darf er rechnen. Und Herder wird es freuen.

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