Jochen Kienbaum
„Man kann nicht alles planen“

Beruflich entwickelt Jochen Kienbaum Pläne und Strategien für Unternehmen. Als Sammler aber schätzt er das Zufällige in der nichtgegenständlichen Kunst. Wenn er einen Kauf erwägt, wird er wieder zum Geschäftsmann.
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KölnDer Mann, der gerne schon mal einen roten Schlips trägt, hat viele Lieblingsfarben. Gelb und Rot sind jedoch seine Favoriten. "Gelb, weil es so sonnig ist und so optimistisch, und Rot, weil es auffällt." Jochen Kienbaum steht vor einer kleinen, himmelblau grundierten Leinwand. "Fresh Squeezed" ist auf ihr zu lesen, sonst nichts. Sechs Farben benutzte der amerikanische Künstler Richard Allan Morris, um die 13 Buchstaben mit der Tube direkt auf die Leinwand zu "malen", davon zwei Lettern in dunklem Rot, zwei in hellem Rot und drei in Gelb.

"Das finde ich toll", sagt Kienbaum, Deutschlands führender Unternehmens- und Personalberater, und verstummt einen Moment. "Das finde ich toll, dass Morris - 2005 immerhin 73 Jahre alt - so jung geblieben ist", setzt der Gummersbacher hinzu. Kienbaum ist ein passionierter Sammler und die abstrakte amerikanische Kunst ab den sechziger Jahren der wichtigste Teil seiner Kollektion. Damit ist er nun, im "Second Floor" der Kölner Galerien Zander und Schmidt Maczollek, zum ersten Mal an die Öffentlichkeit getreten.

Geholfen hat ihm dabei Rolf Ricke, der charismatische Galerist, der 50 Jahre lang für die amerikanische Gegenwartskunst kämpfte. "Das ist so ein Anker", sagt Kienbaum über Ricke, der 2004 seine Kölner Galerie in die Hände von Iris Maczollek und Anke Schmidt legte. Mit ihm habe seine Sammlung Anfang der 1990er-Jahre eine Wendung in Richtung Amerika genommen. "Auf der Fährte war ich vorher nicht."

"Das ist ein unglaublicher Sammler", schwärmt Ricke in seiner mitreißenden Art. Man kann sich gut vorstellen, wie er Menschen mit seiner Begeisterung ansteckte, wie er ihnen auch das Schwierige, nicht unmittelbar "Schöne" erklärte und verkaufen konnte.

Zum Beispiel David Reeds "#52" von 1974, ein extrem schmales Hochformat, das der Künstler mit breiten, parallel übereinander ansetzenden Pinselstrichen in Rot bedeckte. Mit diesen sogenannten "Brush Strokes" beginnt das Werk, das den Künstler bekanntmachte. "Meines Wissens ist es das einzige rote "Brush Stroke"-Bild in Europa", erklärt Ricke.

Wie gut Ricke seinem Sammler das Sehen beibrachte, demonstriert auch Kienbaums Lieblingsbild, Michael Venezias 1989/1996 gemaltes "NM 16j8 (HLV), Untitled". So sperrig wie sein Titel ist auch sein Erscheinungsbild. Es setzt sich aus zwei aneinanderstoßenden Holzlatten zusammen, ist deshalb nur wenige Zentimeter hoch, dafür aber extrem lang. Ein stumpfes, räumlich hervortretendes Grün bedeckt die linke Hälfte, ein unregelmäßig aufgetragenes, gespachteltes Lila die rechte Hälfte. In diesem Teil des Bildes leuchtet und lebt die Malerei. Kienbaum war fasziniert. "Ich hatte bestimmt zehn Werke zur Auswahl und habe mich dann für dieses etwas schroffere, puristische entschieden."

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