Jörg Immendorff
Affenbronzen unter der Lupe

Die Zwangsversteigerungen aus dem Lager des inhaftierten Kunstberaters Helge Achenbach bescheren den Affenbronzen von Jörg Immendorff einen unerwarteten Erfolg – trotz unzureichender Beschreibungen und mangelnder Transparenz hinsichtlich der Auflagen.
  • 0

Köln67 Affenbronzen von Jörg Immendorff kamen im Sommer bei Van Ham unter den Hammer und erfuhren – allen Unkenrufen zum Trotz – reißenden Absatz. Sie alle gehörten zum Lagerbestand des inhaftierten Kunstberaters Helge Achenbach und mussten im Rahmen der Zwangsversteigerungen zu Geld gemacht werden. Und die nächsten zu versteigernden Affen – fünf große, bereits auf Lanzarote ausgestellte Exemplare – stehen für die von Van Ham sogenannte „XXL“-Auktion schon vor der Tür (30. September 2015)

Der gewaltige Zuspruch macht einigermaßen sprachlos. Denn in der Fachliteratur haben die Affenbronzen bislang kaum Niederschlag gefunden und die Katalogbeschreibungen sind unzureichend, wobei Van Ham auf die besonderen Umstände bei der Organisation dieser Versteigerungen hinweist. Es gibt auch kein Werkverzeichnis. Die erste, ernst zu nehmende Veröffentlichung legte Immendorffs Galerist und Nachlassverwalter Michael Werner Ende 2004 anlässlich seiner ersten und einzigen Ausstellung von Affenbronzen vor. Schon damals wäre es ihm lieb gewesen, wenn alles, was über diese erste, damals 17-teilige Auflage der „Malerstamm“-Serie (2002) hinausgegangen war, eingeschmolzen worden wäre. (Hierzu: Handelsblatt vom 7. August 2015)

Der Affe als „Mitnahmeartikel“

Der Van Ham-Experte Robert van den Valentyn hält von diesem Ansinnen, spätere Varianten und Auflagen einzuschmelzen, nichts. Es gebe dafür keine rechtliche Grundlage. Und mit Blick auf die befürchtete Affenschwemme insbesondere bei den kleinen Affenbronzen warnt er vor einer Überbewertung. Van den Valentyn spricht von einem „Mitnahmeartikel“ und erinnert an den parallelen Fall der dekorativen, in unzähligen Varianten hergestellten Picasso-Keramik, deren Preise nebenbei bemerkt seit Kurzem steil angestiegen sind. Sie wäre aber von vornherein als Verbrauchsartikel angelegt worden.

Die Beobachtung, dass Dinge plötzlich mit ganz anderen Augen betrachtet werden, wenn sie teurer werden, dürfte jedoch Rechtfertigung genug sein, sie genauer unter die Lupe zu nehmen. Immerhin wurden bei Van Ham für die kleinsten, zwischen 7 und 20 cm hohen, herumtollenden Affenfiguren aus einer 12er- und einer 20er-Auflage bereits Hammerpreise zwischen 4.300 und 11.000 Euro gezahlt. Kann man da noch von Mitnahmeartikeln sprechen?

Verwirrender Variantenreichtum

Von manchem Motiv gibt es Varianten, die sich nur geringfügig in den Maßen und Körperhaltung unterscheiden. Etwa der 18 cm hohe, etwas steifbeinige „Affe als Akrobat“ aus einer 12er-Auflage und der ebenfalls in zwölf Exemplaren aufgelegte 23,5 cm hohe „Affe auf dem Kopf stehend (Sonder)“ mit abgewinkelten Beinen und anderer Handhaltung, dessen Schätzpreis höher angesetzt war. Beide wurden für 4.500 Euro zugeschlagen. Von dem „Affen als Akrobat“ abgeleitet ist die 72 cm hohe, als 6er-Auflage ausgewiesene Variante „Affe auf dem Rücken liegend“, die für 15.000 Euro zur oberen Taxe zugeschlagen wurde.

Ordentliche Preise zwischen 7.000 und 22.000 Euro erzielte Van Ham für die kleinen, mehrheitlich um die 30 cm hohen Affen aus der Serie „Malerstamm“. Sie stammen, bis auf das zurückgezogene zweite Exemplar „Armin Dietrich“ (1/9), aus einer mit römisch „IX“ bezeichneten Auflage und sind mit der Jahreszahl 2005 katalogisiert. Die Motive begegnen bis auf „Tilmann“ und „Armin Dietrich“ bereits im Katalog Werners, hier jedoch mit Figurenhöhen zwischen 73 und 127 cm.

Verwirrung stiften die Varianten der „Malerstamm“-Serie. Die kleinen Katalogreproduktionen und die verschiedenen Blickwinkel, aus denen fotografiert wurde, machen einen Vergleich schwer. Das zeigt sich etwa an den beiden Exemplaren „Armin Dietrich“, die sich in den Maßen sehr geringfügig unterscheiden und offenbar auch in der Körperhaltung und Details Abweichungen aufweisen.

Seite 1:

Affenbronzen unter der Lupe

Seite 2:

Malerstamm Jörg

Kommentare zu " Jörg Immendorff: Affenbronzen unter der Lupe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%