Joseph Beuys
Energieaustausch mit rotem Elch

Energetische Austauschprozesse waren für Beuys ein zentrales Thema. Dahinter stand stets die Frage nach einer „Gesamtenergie“, die den Menschen voranbringt. Das Moyländer Beuys-Zentrum hat die Zeichnungen der frühen Jahre befragt. Auf dem Markt sind sie rar und teuer.
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MOYLAND. Zugegeben, es fällt schwer, den stillen Joseph Beuys zu entdecken. Den Künstler, der mit dem Zeichenstift auf Tausenden von Blättern nach den Weltzusammenhängen forschte, das Thema der großen Beuys-Ausstellung in der Stiftung Museum Schloss Moyland. Zu dominant ist die Erinnerung an den mit Filz und Margerine hantierenden Aktionskünstler; zu lebendig das Bild des unermüdlichen Predigers, der mit an Fanatismus grenzender Eindringlichkeit seine Ideen einer "Sozialen Plastik" erläuterte.

Der Hase bringt Ostereier

Dabei hatte Joseph Beuys als Zeichner es schon immer einfacher bei seinem Publikum. Verblüffend, wie authentisch er den Charakter von Hirsch und Elch, von Schwan, Biene und Hasen erfasste. Beuys wusste selber, dass er damit beim "Bürger" landen konnte. "Sie symbolisieren so richtig das, was ein Durchschnittsbürger liebt", erklärte er schon vor 40 Jahren. "Die Biene ist fleißig, der Hirsch ist stolz und der Hase bringt Ostereier." Ironisch war das nicht gemeint.

Beuys war auch im Zeichnen ein großer Pädagoge. Er wählte ganz bewusst Tiere, die dem Menschen besonders nahe stehen und begründete dies so: "Wenn ich mich für die Tiere interessiere, ist es doch klar, dass ich mich auch für die andere Seite des Problems interessiere. Ich berühre auch die Frage nach dem Wesen und dem Bewusstsein des Menschen und der Möglichkeit einer Weiterentwicklung."

Identifikation mit dem Elch

Kaum ein Blatt eignet sich zur Verdeutlichung besser als der in leuchtend roter Tusche gezeichnete Elch (um 1974). Der Elch strahlt nicht nur physikalische und emotionale "Wärme"-Energie aus. Durch die demonstrativ nah an ihn herangerückte Signatur steht er auch in einem Austausch mit dem Künstler. Nichts geringeres als einen spirituellen Energieaustausch schwebt Beuys vor. Die Idee lieferte der Anthroposoph Rudolf Steiner. Die Rückbindung an die Natur soll dem Menschen verloren gegangene Energien zurückgeben: Imagination, Inspiration, Intuition.

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Energieaustausch mit rotem Elch

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