Joseph Beuys: Moyland unterliegt im Streit um Aktionsfotos

Joseph Beuys
Moyland unterliegt im Streit um Aktionsfotos

Die erste Runde im Streit um Fotografien einer Live-Aktion von Joseph Beuys hat die Stiftung Museum Schloss Moyland verloren. Das Landgericht Düsseldorf entschied, dass es sich bei den Aufnahmen um eine Umgestaltung der Aktion handelt und damit um einen Eingriff in die Urheberrechte des Künstlers. Die Folgen für Museen und Fotografen sind gravierend. Deshalb bereitet sich Moyland auf einen Ritt durch die Instanzen vor.
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DÜSSELDORF. Die erste Runde im Streit um Fotografien einer Live-Aktion von Joseph Beuys (1921-1986) hat die Stiftung Museum Schloss Moyland verloren. So hatten es alle Prozessbeteiligten vorausgesehen. Ausgetragen wurde die von der Verwertungsgesellschaft (VG) Bild-Kunst angestrengte Klage vor dem Landgericht Düsseldorf, das am 29. September nach fast einjähriger Verfahrensdauer sein Urteil fällte. Demnach ist es Moyland vorerst untersagt, 19 bisher unveröffentlichte Fotografien des Fotografen Manfred Tischer im Museum auszustellen.

Manfred Tischer hatte während der live übertragenen ZDF-Sendung "Die Drehscheibe" u.a. Beuys bei der Aktion mit dem späteren Titel "Das Schweigen von Marcel Duchamps wird überbewertet" fotografiert. Das Gericht folgte der Auffassung der VG Bild-Kunst, die in Tischers Aufnahmen eine Umgestaltung der ursprünglich fortlaufenden künstlerischen Handlung in ein fotografisches Einzelbild und damit einen Eingriff in die Urheberrechte des Künstlers sieht. Das Moyländer Museum hätte bei Eva Beuys, Inhaberin der Urheberrechte von Beuys, die Rechte für eine Ausstellung einholen müssen.

Die Aufnahmen sind kunsthistorisch wertvolles Dokumentationsmaterial

Für das Moyländer Museum ist diese Rechtsauffassung nicht haltbar. "Niemand erkennt in den streitgegenständlichen 19 Fotos einzeln oder in ihrer Gesamtheit eine Bearbeitung der ursprünglich 20 bis 30-minütigen Aktion, von der keine anderweitigen Film- oder Fotodokumente existieren", heißt es in der Presseerklärung der Berliner Rechtsanwaltskanzlei Schertz Bergmann, die Moyland vertritt. Es handele sich nicht um eine Bearbeitung im Sinne des Urheberrechts, sondern um kunsthistorisch wertvolles Dokumentationsmaterial. Dieses müsse auch gegen den Willen der VG Bild-Kunst und der Beuys-Witwe ausgestellt werden können.

Moyland möchte sich dem Urteil aber nicht beugen. Es kündigte an, Berufung beim Oberlandesgericht Düsseldorf einzulegen und bereitet sich bereits auf einen Ritt durch alle Instanzen bis zum Bundesgerichtshof vor. Moyland will nicht einsehen, dass bloßes Ausstellen dokumentarischer Fotoaufnahmen genehmigungspflichtig sein soll. Würde sich diese Auffassung nämlich durchsetzen, könnten Fotodokumentationen nicht nur von künstlerischen Performances, Happenings und Aktionen, sondern auch von Theaterstücken und Musikaufführungen stets von ihren Urhebern mit dem Argument der unzulässigen Bearbeitung untersagt werden. Die Arbeit von Museen und Fotografen würde erheblich erschwert.

Auf Fotografen kommen schwere Zeiten zu

So sieht es auch Ute Eskildsen, Leiterin der Fotografischen Abteilung des Museum Folkwang in Essen. Der dpa gegenüber sagte sie, es gebe viele andere bisher nie beanstandete Fotos berühmter Beuys-Aktionen. Jeder Performance-Künstler sei an der Vermittlung seiner zeitlich begrenzten Aktion interessiert und nehme dabei in Kauf, dass der Fotograf diese auch interpretiere. Eskildsen ergriff im Übrigen auch Partei für die Fotografen, deren Rechte sie nicht genügend geschützt sieht. Die Kritik gilt VG Bild-Kunst-Chef Gerhard Pfennig. "Er müsste die Fotografen genauso schützen wie die Künstler", sagt Eskildsen.

Für den Kunsthistoriker ist der Umgang mit wie auch immer gearteten Zeugnissen visuellen Kulturguts eine übliche Praxis. Für ihn ist Bildmaterial gespeichertes Wissen in visueller Form, das er zusätzlich mit Hilfe von mündlichen und schriftlichen Quellen absichert. Niemand käme auf die Idee, in ihm etwas anderes als das von einem anderen Künstler oder Fotografen geschaffene Zeugnis zu sehen, unabhängig davon, ob es seinen eigenen künstlerischen Wert reklamiert oder nicht.

Mehr zum Thema finden Sie in dem Beitrag "Ist ein Foto eine Umgestaltung?" unter www.handelsblatt.com/finanzen/kunstmarkt/ausstellungen

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