Joseph Beuys: Nur Multiples sind noch zu haben

Joseph Beuys
Nur Multiples sind noch zu haben

Die großen Skulpturen und Installationen von Joseph Beuys sind in festen Händen. Wer "Reliquien" vom großen Kunsterneuerer kaufen will, muss sich an die Auflagenwerke halten. Da ist die Preisspanne groß.
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DÜSSELDORF. Keine Frage: Die Adelung hat Joseph Beuys längst nicht nur durch das Museum, sondern auch durch den Markt erhalten. Gleichwohl ist es nicht leicht, Beuys zu sammeln. Das zeigen schon Auseinandersetzungen wie jene um die Echtheit des sogenannten Wiener Blocks, die vor Gericht ausgetragen wurde. Viel erschwerender ist jedoch, dass sich praktisch alle wichtigen Werke in Museumsbesitz befinden. Was über Auktionen auf den Markt gelangt, ist zumeist kleiner oder in einer Auflage erschienen.

Teure Capri-Batterie

Der überwiegende Teil der Auflagenarbeiten wird im untersten Preissegment gehandelt. Nur rund 15 Prozent der laut Artnet-Preisdatenbank rund 3 000 bisher auf Auktionen verkauften Lose erzielt Zuschläge über 10 000 US-Dollar. Darunter sind so populäre Stücke wie der Filzanzug und die Capri-Batterie. Die hatte sich Joseph Beuys 1985 ausgedacht und 200 mal produzieren lassen. Das originelle Multiple ist entsprechend häufig im Handel und kostete auf Auktionen bis 2006 maximal 5 000 Euro. In jenem Winter stritten zwei Italiener bei Lempertz in Köln um das Taschenparadies und trieben es bis auf 15 000 Euro ohne Aufgeld. Seitdem hat sich dieser Preis etabliert.

1 Mio. Dollar ist viel für ein Multiple

Zu den wenigen kapitalen Werken, die bisher auf Auktionen angeboten wurden, gehört die Hängevitrine "Boxkampf für die direkte Demokratie" aus dem Jahr 1972 mit ihren fünf Metern Breite, die nicht in jedes Wohnzimmer passt und 2006 in London für 344 000 Pfund inklusive Aufgeld versteigert wurde. Das teuerste Beuys-Werk auf einer Auktion bisher war jedoch ein Auflagenobjekt. Das "Bett (Corsett)" aus einer Sechser-Edition und in handlichem Schreibtischformat aus der Sammlung Lauffs kostete 2008 in New York 1 049 000 US-Dollar.

Auflagen schaffen Vergleichspreise

Man mag bedauern, dass so wenig Unikate des Künstlers in Umlauf sind. Für Sammler ist es hingegen von Vorteil, gibt es doch für fast jedes Objekt Vergleichspreise. So sorgte es für großes Amüsement in der Szene, als ein "Schlitten" aus einer 50er-Auflage aus der Sammlung Vogel bei Lempertz für 220 000 Euro versteigert wurde - netto! Der normale Preis liegt bei einem Viertel bis zu einem Drittel dieser Summe - wenn denn mal einer auf den Markt kommt. Zudem war dieses Exemplar in vorzüglichem Zustand - sogar die zugehörige Taschenlampe war noch funktionstüchtig.

"Jeder will Beuys haben"

Das Nachschub-Problem kennt der ehemalige Galerist Erhard Klein nur zu gut. 1973 veranstaltete er seine erste Beuys-Ausstellung, erst in seiner Bonner Galerie, später bis 2006 in Bad Münstereifel. Noch heute erhält er Anfragen von Sammlern und Museen. Häufig muss er passen. "Es war mal ein paar Jahre ruhig, aber jetzt ist Beuys wieder in", erklärt er. "Jeder will Beuys in seiner Sammlung haben." Einen Coup wie die Vermittlung des "Raum Drei - Ausgerutschter Raum", der lange im Bonner Kunstmuseum als Leihgabe zu sehen war, an das Museum in Liechtenstein wird ihm aber wohl nicht mehr gelingen. Manchmal fände man etwas auf Auktionen, oder ein Sammler braucht Geld, das wären Gelegenheiten, bei denen eine Arbeit auf den Markt kommt. Selbst Pace Wildenstein hätten bei ihrer großen Beuys-Ausstellung im letzten Jahr nur unverkäufliche Leihgaben - darunter vom Kollegen Anthony D'Offay - präsentieren können.

Erreichbar sind Zeichnungen und Aquarelle

Dass Hauptinteresse der Sammler richtet sich daher auf die oft bis zur Sprödigkeit reduzierten Zeichnungen und Aquarelle. Besonders letztere bezaubern in ihrem warmen Sepiaton durch den fast meditativ wirkenden sicheren Strich, der keine Schnörkel kennt. Kein Wunder, dass die Arbeiten begehrt sind, besonders, wenn sie aus den 50er Jahren stammen. Auf Auktionen sollte man mindestens 50000 Euro in der Brieftasche haben, wenn man mitbieten will, im Handel können attraktive Blätter aber auch schon mal das Dreifache kosten.

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