Jürgen Flimm wird 70
Der große Impulsgeber des deutschen Theaters

Jürgen Flimm ist einer der maßgeblichen Regisseure im deutschen Sprachraum. Jetzt wird er 70 - an Berlins Staatsoper dreht er weiter das große Theater-Rad.
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Berlin„Nur weil ich einmal laut Lieder gesungen habe, mich immer wieder „rheinische Frohnatur“ zu nennen“, sagt Jürgen Flimm, das sei „totaler Quatsch.“ Aber auch den „romantischen deutschen Künstler“, der regelmäßig in Melancholie versinkt, will der Regisseur, der in Gießen geboren wurde und in Köln aufwuchs, nicht geben. Bei so einem tollen Job, zudem vom Staat bezahlt, sei das unglaubwürdig. Flimm, der seit knapp einem Jahr Intendant der Berliner Staatsoper Unter den Linden ist und am 17. Juli 70 Jahre alt wird, liegt Jammern ziemlich fern.

Flimm hat sich den Witz bewahrt, auch wenn er immer wieder kulturpolitische Kämpfe gegen Sparbeschlüsse durchstehen musste. Mit seiner Liebe zum Detail und einer oft sprießenden Fantasie ist er zu einem der maßgeblichen Impulsgeber für das deutschsprachige Theater geworden - in Inszenierungen oder als Leiter großer Festivals wie der Ruhrtriennale und den Salzburger Festspielen. Dabei will es Flimm dem Publikum nicht leicht machen, und die kulinarische Üppigkeit, etwa in seinem „Hamlet“ am Hamburger Thalia Theater, wird nie zum Selbstzweck.

Aufbruch und Bewahren, Tradition und die Suche nach neuen Formen stehen für Flimm nicht in unauflöslicher Konkurrenz. Ihm gelingt es, scheinbar Gegensätzliches zu verbinden. Dann entstehen in sensibler Schauspielerführung Theaterabende in magischer Dichte mit emotionaler Kraft und intellektueller Schärfe.

In Bayreuth inszenierte er im Jahr 2000 den „Ring des Nibelungen“ als Versuch, Wagners Werk zu „re-theatralisieren“. Er erntete gespaltene Reaktionen, ebenso wie bei seiner Zusammenarbeit mit Nikolaus Harnoncourt zu Henry Purcells „King Arthur“ in Salzburg. Ungeteilt gefeiert wurde er in New York mit Beethovens „Fidelio“, die von der „New York Times“ zur besten Opernproduktion des Jahres“ gekürt wurde.

Im Mittelpunkt seiner Regiearbeit steht der Mensch mit seinen sozialen und psychologischen Verstrickungen. So bleibt auch Mozart sein Hausgott. „Figaros Hochzeit“ oder „Don Giovanni“ seien die größten Werke, die Menschenhand je geschaffen habe, schwärmt er. „Figaro würde ich auch ein viertes Mal inszenieren - sofort“.

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