Jugendstil
Konkurrenz um bekannte Entwerfer

Das Münchener Auktionshaus Von Zezschwitz kann ihr Jugendstil-Angebot flüssig absetzen. Ein Schrank von Richard Riemerschmidt und ein Keramikputto mit Füllhorn gehören zu den Top-Lots.
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MünchenBei der Jubiläumsauktion zur 10jährigen Firmengründung von Von Zezschwitz Kunst und Design am 1. Dezember 2011 schloss erwartungsgemäß eine Möbelensemble von Richard Riemerschmid sehr erfolgreich ab. Es zeigt die anhaltende internationale Nachfrage nach Jugendstilmöbeln.

Von einem „durchgängigen Trend“, spricht Geschäftsinhaberin und Auktionatorin Carolin Bergner. Allerdings gilt das nur für Entwürfe von namhaften Entwerfern sein, räumt sie ein. Dazu zählen rund zehn bis 15 Künstler, unter ihnen neben den Darmstädter und Wiener Jugendstilgrößen vor allem Henry van de Velde und auch der Münchener Richard Riemerschmid. Von ihm konnte von Zezschwitz eine ganze Reihe mit Perlmutt intarsierten Stühlen sowie einen seltenen Teppich sehr gut veräußern.

Der Höchstzuschlag von 32.000 Euro (ohne Aufschlag) galt dabei einem um 1902/03 entstandenen Ahornschrank, der ebenfalls mit Intarsien verziert ist. Er erzielte mehr als die zehnfache Taxe. Riemerschmid entwarf den Schranktypus ursprünglich für das Empfangszimmer des Hauses Thieme. Else von Thieme, die Frau des Gründers der Münchener Rückversicherung Carl von Thieme, gab 1899 bis 1906 einen Großteil der Zimmerausstattungen bei Riemerschmid in Auftrag.

Kurante Ware ist inflationär billig

Insgesamt beläuft sich die Zuschlagssumme, die das elfteilige Ensemble mit dem Teppich einspielte, auf  64.000 Euro (inklusive Schrank). „Stabil beziehungsweise wertsteigernd ist nur ‚best of’, alles andere ist auf dem Jugendstilmöbelmarkt geradezu inflationär billig“, erklärt Bergner.

Die mit rund 200 Losen aus den Sektionen Jugendstil, Art Déco, Design und moderner Kunst bestückte Auktion deckte alle Geschäftsbereiche ab. Sie brachte rund 300.000 Euro (ohne Aufschläge). Ein Ergebnis, mit dem sich Bergner sehr zufrieden zeigt, zumal sie ein paar sehr erfolgreiche Zuschläge verbuchen konnte. Darunter findet sich auch die weiße Keramikfigur des Wiener Jugendstils, ein „Putto mit zwei Füllhörnern“ von Berthold Löffler und Michael Powolny. Der internationale Handel bewilligte mit 20.000 Euro die doppelte Taxe für das seltene Stück.

Sehnsucht nach Capri

Unerwartet war auch der Ergebnis, das eine italienische Caprilandschaft des Jugendstilmalers Hans Christiansen einspielte, ein Rekordzuschlag wie das Haus verlauten ließ. Zwei engagierte Sammler sorgen dafür, dass schließlich bei 25.000 Euro, der fünffachen Taxe, der Hammer fiel. Entsprechend seiner Schätzung von 12.000 Euro wurde ein liegender Rückenakt von Gustav Gildemeister in leuchtenden Farben verkauft. Liebhaber von knalligen Farben können noch im Nachverkauf aktiv werden: Unter den Rückgängen findet sich auch ein pinkfarbener Siebdruck von Andy Warhols Ikone „Marilyn“. Die Graphik – ein „artist proof“-Exemplar wurde auf 70.000 Euro taxiert.

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