Julia Jentsch avanciert zum gefeierten Jungstar des deutschen Films. Privat gibt sie sich gerne einmal kratzbürstig.
Die Girlie-Amazone

Wenn vom deutschen Filmnachwuchs die Rede ist, fällt unweigerlich der Name von Julia Jentsch. Deutschlands Feuilletonisten sind hingerissen. Und selbstverständlich gehört sie auch zu den Nominierten für den Förderpreis Deutscher Film, der am kommenden Mittwoch in München verliehen wird.

Einen internationalen Auftritt hatte Julia Jentsch kürzlich bei den Filmfestspielen in Cannes. Der deutsche Streifen „Die fetten Jahre sind vorbei“, in dem sie eine Hauptrolle spielte, gehörte dort zu den stürmisch gefeierten Beiträgen. Seit Cannes ist nun auch die internationale Filmwelt auf unseren Nachwuchsstar aufmerksam geworden.

Julia Jentsch – da macht eine fast unbemerkt Karriere von Null auf Hundert. Dabei ist sie äußerlich absolut kein Star. Zum Interview in der Theaterkantine erscheint sie ohne Styling, noch sichtlich angeschlagen von der Premierenfeier am Abend zuvor, als „Antigone“ die Zuschauer zu Jubelstürmen hinriss.

Grünes T-Shirt, Jeans, das kindliche Gesicht ungeschminkt, die langen Haare wie eine Gymnastin irgendwie am Hinterkopf hochgebunden. Nichts mehr von der üppigen Langmähne aus „Antigone“ – „Nee, das war ne Perücke, aber gut gemacht“, lacht sie. Immer wieder blitzt was von kesser Berliner Göre in den hellbraunen Augen auf. Mit ein paar charmanten Dialektausrutschern hangelt sie sich eher desinteressiert durch die Unterhaltung. Gut, gerade erst hat sie die ersten Interviews in ihrem Leben gegeben – alle zum Auftritt in Cannes. Da war sie natürlich aufgebrezelt: im schwarzen Hosenanzug, bauchfrei, und ungewohnt auf unbequemen Highheels musste sie Parade laufen. „Aber da bin ich mit Daniel und den anderen eingehakt gelaufen. Das hat Mut gemacht, in die unendlich vielen Kameras zu lächeln“.

In München ist Julia Jentsch seit der Hauptrolle in „Bedbound“, für welche sie „Theater Heute“ bereits 2002 zur besten Theater-Nachwuchsschauspielerin des Jahres kürte, besonders aber seit der Desdemona das enfant chéri der Feuilletonisten.

Mit Luk Percevals heftig umstrittenem Schocker „Othello“ wurde im Frühjahr 2003 das renovierte Jugendstilhaus an der Maximilianstraße wieder eröffnet. Ein frisches Girlie in Turnschuhen und transparentem Flatterhemdchen – so umgarnte sie ihren Othello damals: emanzipiert, kämpferisch, unangepasst. Wie die „Antigone“, die erst kürzlich Premiere hatte.

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