Julian Schnabel
Nützlicher Glamour

Der US-Künstler Julian Schnabel ist auf vielen gesellschaftlichen Parketts zu Hause. Zuletzt hat er als Filmemacher überzeugt. Nun meldet er sich als Maler zurück – und hat für das Handelsblatt eine Edition erstellt.

DüsseldorfDas Ludwig Museum Koblenz zeigt gerade Julian Schnabels verfremdete Druckgraphiken in einer Retrospektive, und in Düsseldorf widmen ihm gleich zwei Galerien Ausstellungen: Burkhard Eikelmann in Oberkassel und Geuer & Geuer in den neu eröffneten Räumen auf der Heinrich-Heine-Allee (bis 10.8.). Dort herrscht zum Pressetermin großer Bahnhof.

Die Kamerateams drängeln sich um den 65-jährigen Künstler, der im Blitzlichtgewitter mit blau getönter Brille und einem mit Farbe bespritzen, weißen Overall die lässige und zugleich Autorität gebietende Aura eines New Yorker Künstlers verströmt.

Schnabel übernimmt sofort die Regie und führt den Tross, in dem sich auch etliche Vertreter der Boulevardpresse befinden, durch die Ausstellung. „Childhood“ sind die großen Blätter betitelt, die Schnabel bei Geuer selbst gehängt hat. Sie zeigen einen Ausschnitt aus dem sogenannten American Revolution Wallpaper, das von 1834 stammt und bis in die 1990er-Jahre auf einer Länge von 15 Metern im Weißen Haus zu sehen war.

Das diesjährige 240. Jubiläum der Amerikanischen Unabhängigkeit (1776) war für Schnabel der Anlass, dieses historische Motiv zu zitieren und in wilder, zwischen Purpur und Lila schillernder Farbigkeit verfremdend zu verarbeiten. Zu sehen ist u. a. der Moment der Kapitulation der Briten in der historischen Schlacht bei Yorktown.

Wässern mit Tinte

Schnabel erläutert sein Spiel mit Motiven und seine Wässerungstechniken mit Tinte. Und doch hat man den Eindruck, dass die meisten Anwesenden gar nicht so sehr an dem Maler interessiert sind als an dem Glamour, für den der Vielseitige eben auch steht, und an dem Filmemacher. In den 1990er-Jahren war er aus dem Stand erfolgreich mit „Basquiat“, einer Biografie seines früh verstorbenen Künstlerkollegen Jean-Michel Basquiat; und 2007 kassierte er für „Schmetterling und Taucherglocke“ mit Mathieu Amalric den Regiepreis in Cannes, 2008 den Golden Globe.

Schnabel ist auch der Mann, der mit „Every Silver Lining Has A Cloud“ ein eigenes Album veröffentlichte und für Lou Reed und The Red Hot Chilly Peppers Cover gestaltete. Und er ist nicht zuletzt der Vater von Vito Schnabel, der mit Heidi Klum liiert ist.

Nach dem Presserummel reagiert er im Gespräch auf die Frage nach dem Leben als Künstler im Umfeld von Celebrities ausgesprochen spitz. Er will nur über Kunst reden.

Stilistisch das Pferd gewechselt

Dem Künstler Schnabel haben Kritiker gelegentlich vorgeworfen, als Multi-Stilist allzu oft das Pferd zu wechseln. Gefragt nach seiner ureigenen künstlerischen Handschrift, reagiert er improvisierend, als würde ihm die Antwort gerade erst einfallen: „Signatur? Das könnte der Gestus der Intervention, der Unterbrechung sein?“ Schnabel redet assoziativ, springt gerne, und es wirkt so, als höre er sich selbst beim lauten Denken zu.

Von der eigenen Signatur springt Schnabel in einem Satz zu Georg Baselitz: „Georg Baselitz malte Menschen auf dem Kopf stehend. Ich habe das auch versucht, als ich jünger war. Es sieht besser aus!“ Jeder Künstler habe wohl so etwas wie eine Signatur. „Ich habe eigentlich versucht, keine zu haben. Die Leute behaupten allerdings das Gegenteil“, findet er.

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