Junichiro Koizumi
Das Erbe des Wunderpremiers

Für das Publikum in Deutschland stand zuletzt vor allem eine Figur für Japans Politik: Junichiro Koizumi, der Premier mit der Löwenmähne. Im September 2006 ist Koizumi abgetreten, doch er hat einen so nachhaltigen Eindruck hinterlassen wie kaum ein japanischer Politiker.

TOKIO. Junichiro Koizumi hat Japan auf Trab gebracht und konnte den Wählern auch heikle Reformprojekte rhetorisch vermitteln. Durch Deregulierung, Privatisierung und Entflechtung hat er eine insgesamt dynamischere Stimmung geschaffen. Unter Ökonomen herrscht Konsens, dass seine Politik die Rückkehr der japanischen Wirtschaft zum Wachstum unterstützt hat. Wie tief der von ihm eingeleitete Wandel in die Gesellschaft eingreift, ist jedoch im Westen wenig bekannt; unklar ist zudem, wie es unter seinen Nachfolgern weitergeht.

Der Band „Japan nach Koizumi“, herausgegeben von Michael Behrens und Jochen Legewie, blickt auf die Ära des Reformpremiers zurück und verspricht zugleich einen Blick in die Zukunft: Bleibt die zweitgrößte Wirtschaftsmacht auf Reformkurs? Die Autoren der 23 Beiträge vergleichen die Lage in Japan mit der in Deutschland. Sie wollen zeigen, wo Deutschland von Japan lernen kann. Wenn die Probleme sich ähneln – Paradebeispiel ist die Überalterung der Gesellschaft –, dann sollte Japan als Vorbild dienen.

Ob die Rezepte aus Fernost tatsächlich übertragbar sind, ist fraglich. Doch zumindest weist das Buch Alternativen zum deutschen Weg auf. Eine positivere Haltung lässt sich auf jeden Fall von Japan abschauen: China etwa gilt nicht als Bedrohung für den Wohlstand, sondern als Möglichkeit, zusammen reicher zu werden. Dass die Zahl der Senioren steigt, sehen die Japaner nicht als den Weltuntergang, sondern als zumindest teilweise vorteilhaft.

Die Autoren, durchweg publizierende Fachleute, leben in Japan oder erforschen das Land von außen. Einer der Beiträge stammt von der Handelsblatt-Redakteurin Nicole Bastian, die bis Dezember als Korrespondentin aus Tokio berichtete. Neben Journalisten schreiben in dem Band auch Unternehmensvertreter und Wissenschaftler.

Bei derart vielen Beiträgen lässt sich die eine oder andere Dopplung wohl kaum vermeiden. Dafür ist das Buch aber aktuell: Um die neue Marschrichtung der japanischen Politik schon neun Monate nach Koizumis Abtritt erfassen zu können, berücksichtigen einige der Texte Daten bis in den Mai hinein. Zusammen erzählen sie, wie Japan sich aus Mustern löst, in denen es sich bequem eingerichtet hatte und damit internen Wettbewerb vermied.

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