Kampf um Beuys
Attacken zielen auf den Abzug der Werke aus Moyland

Das weltweit größte Beuys-Museum steckt wegen jahrelanger Führungsprobleme und Versäumnisse in großen Schwierigkeiten. Zwei Parteien wollen die Anstrengungen für einen Neuanfang im niederrheinischen Schloss Moyland nicht gelten lassen: Heiner Bastian, ehemaliger Privatsekretär von Joseph Beuys, und die Künstlerwitwe Eva Beuys.
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DÜSSELDORF. Die Stiftung Museum Schloss Moyland kommt aus den Schwierigkeiten nicht heraus. Dabei hätte das attackierte Haus unter der im Mai angetretenen neuen Leiterin Bettina Paust anderes zu tun. Die Vorbereitungen für den ab Oktober 2010 geplanten Umbau der Ausstellungsräume und die Neupräsentation der Sammlung sind im Gang. Die umstrittene „Moyländer Hängung“ soll abgeschafft und die viel zu lange vernachlässigte Präsentation der Beuys-Arbeiten unter konservatorischen und inhaltlichen Gesichtspunkten neu arrangiert werden.

Zwei Parteien wollen die im Mai publik gemachten Anstrengungen für einen Neuanfang nicht gelten lassen: Heiner Bastian, ehemaliger Privatsekretär von Joseph Beuys, und die Künstlerwitwe Eva Beuys, die sich durch den Rechtsanwalt Gerhard Pfennig und in bildrechtlichen Fragen durch die von Pfennig geleitete VG BildKunst, Bonn, vertreten lässt.

Bastian, der sich zwölf Jahr Zeit nahm, um Moyland zu inspizieren, ließ es sich nicht nehmen, zwei mal binnen der letzten drei Monate öffentlich die konservatorisch unzulänglichen Zustände der Schausammlung zu monieren, zuletzt vor wenigen Tagen in einer Petition an den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. In ihr fordert er auch einen neuen „würdigen“ Unterbringungsort für die Beuys-Bestände.

Unterschrieben haben 64 Künstler, Kuratoren und Sammler, darunter fern lebende Prominente wie der Londoner Galerie Larry Gagosian, der Künstler Matthew Barney oder auch – man staunt – der Leipziger Galerist Gerd Harry Lybke. Fraglich ist, wer von ihnen sich einen Eindruck vor Ort machte. Lybke jedenfalls war für eine persönliche Stellungnahme nicht erreichbar. Die Münchener Sammlerin Ingvild Goetz hat das Museum vor sehr langer Zeit in Augenschein genommen. Die Informationen über die konservatorischen Probleme habe sie von Heiner Bastian erhalten, lässt ihr Büro mitteilen.

Auch Eva Beuys ist der Umgang mit dem Werk ihres Mannes ein Dorn im Auge, schon länger und nicht nur aus konservatorischen Gründen. Die größte Gefahr droht der Stiftung inzwischen aber durch die Anfang 2009 erhobenen Eigentumsansprüche der Familie Beuys auf nicht näher spezifizierte Werke und das komplette Dokumentenarchiv. Beides ist zwar nach Auffassung von Paust unbezweifelbares Eigentum der Stiftung, doch der Rechtsanwalt der Familie Beuys, Gerhard Pfennig, hat die Herausgabe verlangt, die er so begründet: „Frau Beuys steht auf dem Standpunkt, dass die Brüder van der Grinten der Stiftung Werke und Archivalien übereignet haben, die ihnen gar nicht gehörten, sondern von Beuys treuhänderisch zur Verwahrung gegeben wurden.“ Darüber gebe es aus der Sicht von Eva Beuys genügend Belege. Die Van der Grintens würden indes das Gegenteil behaupten.

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