Kapitalistischen Wallfahrtsstätte
Ein Boom, der aus dem bisschen kommt

Chinas Sonderverwaltungszone Macau mausert sich zum asiatischen Zockerparadies - Aber auch sein reichhaltiges portugiesisches Kulturerbe ist einen Besuch wert.

Selbstvergessen hüpft das Mädchen im roten Anorak über den gläsernen Boden des Turms und schaut konzentriert auf das, was sich 233 Meter, senkrecht steil abfallend, unter seinen Füßen tut.

Einigen Erwachsenen, die nicht ganz so schwindelfrei und unbefangen sind, krampft es beim Blick durch den Glasboden des „Macau Towers“ die Eingeweide zusammen. Wie ein schwebender Albtraum fühlt sich das an, in dem es keine Stetigkeit gibt, nur haltloses Fallen.

Durch den schlierigen Dunst, der notorisch auf Macau liegt, sind von hier oben die diffusen Silhouetten der beiden Brücken zu erkennen, die Macau mit seiner vorgelagerten Insel Taipa verbinden. Wir stehen – atemberaubend direkt – über den komplizierten Verästelungen der Autobahn unter uns, sehen Hafenanlagen, Hochhäuser und Fährschiffe in gemächlicher Bewegung.

Die meisten Besucher hier oben belassen es beim Schauen in der Sicherheit der Besucherplattform des Turms, etwa der deutschstämmige Ingenieur Matthias Zorn, der in Taiwan arbeitet und für ein verlängertes Wochenende Macau besucht, das gegenüber von Hongkong an der Mündung des Perlflusses liegt.

Andere wagen draußen den 233-Meter-Sprung vom Balkon. An einem Seil, das von einer Winde abgewickelt wird und bis zu 75 Kilometer pro Stunde schnell ist. Erst 10 Meter über dem Boden wird es abgebremst. Seit seiner Eröffnung im August ist dieser „Sky Jump“ die Attraktion der jungen asiatischen Spaß-und-Spielgeneration.

Für sie ist Macau längst zur asiatischen Antwort auf das amerikanische Las Vegas geworden und zum Synonym für die Lust am Risiko. Sei es beim Turmsprung, sei es bei Hunderennen, Sportwetten oder dem allgegenwärtigen Glücksspiel. Überall wird in dieser Stadt viel verloren und ein bisschen gewonnen. Aber die Jagd nach diesem unkalkulierbaren bisschen ist’s, die Macau die Blüte bringt.

So soll innerhalb der nächsten sieben bis zehn Jahre auf einem Polder im Pazifik Schritt für Schritt eine gigantische Casino-, Amüsier- und Hotellandschaft hochgezogen werden, deren Ausmaß bei einem Ausflug nach Tapai schon heute gut zu erkennen ist. Der Streifen, der nach der Eindeichung zwischen Coloane und Taipa entsteht, heißt Cotai.

Noch aber haben die dörflichen Quartiere Tapais ihre Ursprünglichkeit bewahrt. Hier ist gut essen, trinken oder feiern – sei es auf chinesische, sei es auf portugiesische Weise. Und ein Dorado für Liebespaare sind die Ufermauern sowieso.

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