Karl Friedlich Schinkel
Der Universalkünstler

Der große Baumeister Karl Friedrich Schinkel wird in Berlin mit einer Retrospektive gewürdigt, die seine Kunst in ihrer ganzen Breite darstellt. Auf dem Kunstmarkt ist er schon längst zur teuren Kultfigur geworden.
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BerlinKarl Friedrich Schinkel nimmt in der Architekturgeschichte den Ehrenplatz als größter deutscher Baumeister des 19. Jahrhunderts ein. Doch er war weit mehr: Protagonist des Gesamtkunstwerks europäischer Prägung, der in seinen Zeichnungen, Gemälden, Bühnenbildern, Bauten, Denkmälern und Kunstgewerbe-Entwürfen seinen preußischen Idealstil aus Antike, Gotik und Romantik schuf. Auf dem Kunstmarkt ist Schinkel spätestens seit der Wiedervereinigung zu einer teuren Kultfigur geworden, obwohl so manche forsche Zuschreibung nicht eindeutig zu belegen ist.

Die Schinkel-Rezeption war nicht immer so euphorisch. Schon um 1900 waren viele seiner Repräsentationsbauten abgerissen oder grundlegend verändert. Allen voran die Schauspielhäuser in Aachen und Hamburg, der Berliner Dom und das Berliner Palais Redern, das dem Hotel Adlon weichen musste.

Die große Schinkel-Ausstellung unter dem Titel „Geschichte und Poesie“, die jetzt das Berliner Kupferstichkabinett im zweigeschossigen Kulturforum und in seinem Schausaal zeigt, ist in einem beachtlichen Teil Frucht des von der Bundesregierung geförderten Forschungsprojekts „Das Erbe Schinkels“, das die Digitalisierung und wissenschaftliche Katalogisierung der 5500 Werke im Schinkel-Nachlass des Kupferstichkabinetts betreibt. Die Schau ist dementsprechend von Zeichnungen dominiert, die in ihrer Qualität und Vielfalt alle Aspekte des Gesamtwerks abdecken.

Enttäuschend schwach dagegen ist das Kunstgewerbe vertreten. Dabei hätte es sich doch angeboten, die vor zwei Jahren für 1,5 Millionen Euro von dem Hamburger Händler Frank C. Moeller für Schloss Glienicke angekaufte vergoldete Sitzmöbelgruppe zu zeigen. Millionenpreise sind marktsymptomatisch für exzeptionelle Schinkeliana. Mit 1,4 Millionen Mark bezifferte der Londoner Händler Rainer Zietz schon 1993 auf der Berliner Kunsthandelsschau „Orangerie“ den von Schinkel für das Hoffest „Der Zauber der Weißen Rose“ entworfenen Silberpokal mit Präsentierplatte.

Die Berliner Ausstellung beginnt mit biografischen Exponaten von einem Jugendskizzenbuch mit getuschtem Mäuseballett bis zu Wilhelm Hensels Zeichnung des mit dem Lorbeerkranz geschmückten Künstlers auf dem Totenbett. Hier sehen wir auch die aus einem Gruppenporträt geschnittenen Ovalbildnisse der Schinkel-Kinder Marie, Susanne und Karl, die 1994 bei Sotheby's in München für 227.000 Mark versteigert wurden - damals ein Spottpreis. Zum Vergleich: 2008 kostete auf der Messe in Maastricht ein Terrakottarelief von der Fensterbrüstung der abgerissenen Berliner Bauakademie, das 1993 im Berliner Kunsthandel noch für 43.500 Mark zu haben war, bereits 250.000 Euro.

Kommentare zu " Karl Friedlich Schinkel: Der Universalkünstler"

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  • Das teuerste Gemälde ist übrigens bei Lempertz für 466000 Euro versteigert worden und hängt heute im Museum Schaefer in Schweinfurt,die zweite Fassung lt. Boersch Suppan in der Nationalgalerie in Berlin.Es war der Dom am Meer.
    L.Schlechtriemen

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