Karl & Faber
Dunkle Schatten beseitigt

Karl & Faber vermittelte im Restitutionsstreit um ein bedeutendes Werk von Franz von Stuck. Nun ist der Weg frei zur Auktion. Das Münchener Auktionshaus ruft auch wieder marktfrische Scherenschnitte von Philipp Runge auf.

MünchenSchon zu Lebzeiten Franz von Stucks hat das barbusige, lüsterne Weib mit der zischelnden Schlange die Moral der bürgerlichen Gesellschaft erschüttert. Das Gemälde „Die Sinnlichkeit“ von 1897, das mit einem Schätzpreis von 120.000 bis 180.000 Euro am 11. November 2015 bei Karl & Faber die Auktion Alte Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts krönt, galt als Verkörperung der reinen Sünde. In jüngster Zeit hat das symbolistische Meisterwerk wieder moralische Fragen berührt. Diesmal ging es um die Restitution NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts. Dass es jetzt ohne Ansprüche Dritter zur Versteigerung gelangt, ist der Vermittlung des Münchner Auktionshauses zu verdanken.

Das Werk war seit Jahren im Lost Art Register gelistet. Doch der 2013 verstorbene Eigentümer Carl Laszlo, der als ungarischer Jude selbst einige Konzentrationslager überlebt hatte, fühlte sich nicht den Washingtoner Empfehlungen verpflichtet. Er hatte das Werk 1963 bei Lempertz gekauft. Damals war die Herkunft aus der Sammlung des jüdischen Ehepaares Flersheim nicht bekannt. Nach der Flucht der Ehefrau und des Sohnes im Jahre 1937 war „Die Sinnlichkeit“ vom Deutschen Reich für das Führermuseum in Linz angekauft. Es landete nach dem Krieg im Central Collecting Point der US-Armee.

Win-Win-Situation

Laszlos Erben wollten den dunklen Schatten über dem Gemälde beseitigen. Sie baten Karl & Faber –Geschäftsführer Rupert Keim um Kontaktaufnahme mit der Berliner Rechtanwaltskanzlei von Trott zu Solz Lammek, die von den Flersheim-Nachfahren mit der Restitution von Teilen der Sammlung beauftragt ist.

Der Auktionator charakterisierte im Gespräch mit dem Handelsblatt die Einigung als Win-Win-Situation. Ob damit eine Fifty-Fifty-Aufteilung des Auktionserlöses gemeint ist, darüber wollte das Auktionshaus keine Auskunft geben. Nicht nur die Tatsache, dass das Gemälde das einzige bekannte Exemplar der drei Mal ausgeführten „Sinnlichkeit“ ist, stimmt den Versteigerer positiv. „Ein Bild, das als verfolgungsbedingt eingestuft ist, ist immer negativ belastet.“ Nun ist der Weg frei für ein bedenkenloses Käuferengagement.

Letzte marktfrische Scherenschnitte

Karl & Faber ruft insgesamt 317 Gemälde, Graphiken und Arbeiten auf Papier vom frühen 16. bis um 1900 auf. Darunter finden sich wieder zarte Scherenschnitte des Romantikers Philipp Otto Runge zur Taxe von 40.000 bis 50.000 Euro. Nachdem Karl & Faber in den vergangenen Jahren zahlreiche Runge-Blätter  aus der einstigen Sammlung Otto Speckter versteigert hatte, sollen dies laut Keim die letzen marktfrischen, mit der Schere geschaffenen Werke aus dieser Quelle sein.

Zwischen einem großen, in Öl ausgeführtem Altarentwurf Franz Anton Maulbertschs zur Taxe von 18.000 bis 24.000 Euro , Albrecht Dürers Holzschnitt „Bildnis des Ulrich Varnbüler“ mit einem unteren Schätzwert von 70.000 Euro fällt eine atmosphärisch dichte Ölskizze des Deutschrömers Heinrich Reinhold auf. Die 1822/24 entstandene, kleinformatige „Campagnalandschaft bei aufziehendem Gewitter“ geht mit der stolzen Schätzung von 35.000 bis 45.000 Euro ins Rennen.

Vorbesichtigung: 30. Oktober bis 11 November 2015 , täglich von 10 bis 18 Uhr

Auktion: 13. November 2015, ab 11 Uhr

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