Karl & Faber: Filippino Lippi mobilisiert die Bieter

Karl & Faber
Filippino Lippi mobilisiert die Bieter

Wiederentdeckte Altmeister und Malerei des 19. Jahrhunderts bescheren dem Münchner Auktionshaus Karl & Faber ordentliche Einnahmen. Ein Bietkampf entbrennt vor allem um ein Doppelporträt aus der Renaissance, das erst kurz vor der Versteigerung Filippino Lippi zugeschrieben wurde.
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MünchenIm Auktionskatalog galt das Doppelporträt der Bischöfe Ubaldus und Fridianus noch als florentinische Arbeit um 1500. Versteigert aber hat es Karl & Faber als Werk des Renaissance-Meisters Filippino Lippi. Für 375.000 Euro (alle Preise inkl. Aufgeld) übernahm in der Auktion „Alte Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts“ am 11 November 2016 der britische Handel die ursprünglich auf 3.000 bis 4.000 Euro geschätzte Holztafel. Erst fünf Tage vor der Versteigerung konnten die Experten des Hauses das Bild als Tafel eines Altars aus der Florentiner Kirche San Donato verifizieren. „Trotz der Zeitknappheit engagierten sich 13 Museen und Händler unter anderem aus den USA, Italien, Paris an den Telefonen.“, sagte Karl & Faber-Geschäftsführer Rupert Keim dem Handelsblatt.

Mit einem Gesamtumsatz von brutto 1,5 Millionen Euro lief es gut für den Münchner Versteigerer. Unter den 350 Losen befanden sich einige Wiederentdeckungen und Werke, die erst in den letzten Jahren das Sammlerinteresse weckten. Zum Beispiel das malerische Werk von Wilhelm Busch. Das kleine Gemälde „Gewitterlandschaft mit Bauernhaus, Kühen und Fluss“ von 1870/75, das zu einer fast vollständig abgesetzten Suite von 45 Ölskizzen und Zeichnungen des Künstlers aus der Sammlung Rehmert gehörte, erzielte mit 37.500 Euro den Auktionsrekord für Busch.

Kein Zögern gab es bei Meisterzeichnungen, die Anfang des 20. Jahrhunderts Carmen Gräfin Finkenstein zusammengetragen hatte und seither in Familienbesitz waren. 13.800 Euro, das Zehnfache der Taxe, erforderte eine barocke Amoretten-Skizze von Lorenzo de Ferrari. Eine wiederentdeckte Gemälde-Vorstudie von Pompeo Batoni von 1740/50 erzielte 11.900 Euro. Als bislang unbekannte Zeichnungen von Joseph Anton Koch beschrieb der Katalog zudem zwei großformatige arkadische Landschaften von 1792 und 1793. Sie wurden mit 47.500 Euro und 30.000 Euro die teuersten Zeichnungen der Auktion.

Bei den Gemälden des 19. Jahrhunderts lag das von menschlichem Charakter geprägte Affenbild von Gabriel von Max preislich an der Spitze. Die als „Frühstück“ betitelte Holztafel aus der Zeit um 1890/1900 ging für 56.300 Euro in neue Hände. Carl Wilhelm Götzloffs kleine Ölstudie „Am Golf von Sorrent“ aus dem frühen 19. Jahrhundert wurde konkurrenzlos für 9.400 Euro weitergereicht. Die losbezogene Verkaufsquote lag bei ca. 55 Prozent.

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