Karl & Faber
Gabriele Münter wird immer teurer

Lebhaftes Interesse beflügelte die Dezemberauktion von Karl & Faber. Zum Aufruf kam Kunst der klassischen Moderne und der Gegenwart. Gabriele Münter und ein Lebzeitenguss von Ernst Barlach schafften es an die Spitze.
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MünchenErst bei 210.000 Euro (ohne Aufschlag) fiel der Hammer für ein außergewöhnliches Gemälde mit einer Prozessionsszene von Gabriele Münter. Schauplatz war das Auktionshaus Karl & Faber in München am 9. Dezember 2011. Der Preis bestätigt das große Sammlerinteresse für die Künstlerin, das sich offenbar nicht allein auf ihre typischen farbintensiven Landschaften konzentriert. Das im wahrsten Sinne des Wortes sperrige, mit 46 x 38 cm relativ kleine Leinwandgemälde zeigt den Blick auf eine geschlossene Häuserfront, vor der Menschen in einer Straßenschlucht versammelt sind – wohl zum Fronleichnamsfest, das 1934 in Murnau gefeiert wurde. Zahlreiche Flaggen, darunter auch die nationalsozialistische, bringen die einzige Bewegung ins Bild.

Ein süddeutscher Sammler erwarb das auf 120.000 bis 150.000 Euro taxierte Werk, das aus einer privaten süddeutschen Sammlung stammt. Die Preisentwicklung für Münter lässt sich daran gut ablesen: Der Einlieferer hatte es im Mai 1999 bei Ketterer Kunst in München erworben und zahlte rund 44.000 Euro für das auf 20.000 bis 30.000 Euro geschätzte Bild. Auch die 1919 auf Bornholm entstandene Dorfplatzansicht Münters überstieg die Erwartungen, die bei 90.000 bis 120.000 Euro lagen. Sie wurde für 140.000 Euro erfolgreich in eine private Sammlung vermittelt.

Barlachs nachdenklicher Spaziergänger

Gut beboten war auch der nachdenkliche Spaziergänger von Ernst Barlach, der für 52.000 Euro zugeschlagen wurde. Die Skulptur ist eines von 20 nicht nummerierten Exemplaren, das den ‚H.Noack Berlin Friedenau‘-Stempel trägt und zu den begehrten Lebzeiten-Güssen des Künstlers gezählt wird. 40.000 bis 50.000 Euro wurden für die aus süddeutschem Privatbesitz stammende Bronze erwartet. In Münchner Privatbesitz geht ein spätes Aquarell mit Rhabarberblüten von Karl Schmidt-Rottluff über, das mit 30.000 Euro die Erwartungen hinter sich ließ.

Zwei Sammler engagierten sich sehr stark für die Offerte des Simplizissimus-Zeichners Eduard Thöny, die erfolgreich abgesetzt wurde. Die Mischtechnik „K.K. Brachialgewalt“ spielte mit 11.000 Euro Zuschlag mehr als die doppelte untere Taxe ein. Die Auktion war sehr dicht beboten, wie Auktionator und geschäftsführender Gesellschafter Rupert Keim zusammenfasst, Umsatzzahlen veröffentlicht er allerdings nicht. Die internationalen Bieter kamen vor allem aus den europäischen Nachbarländern. Amerikanische Bieter agierten zurückhaltend, möglicherweise weil sie das Angebot weniger ansprach.

Wenig Resonanz für Marktbekanntes

Auf wenig Resonanz stießen die Lose, die bereits auf dem Kunstmarkt bekannt waren. Auch zu kühne Erwartungen sorgten für ein gedämpftes Interesse, ablesbar an der Zahl der Vorgebote. Einige der Werke im fünfstelligen Bereich wie Adolf Erbslöhs Gemälde “Desenberg“, das auf 40.000 bis 50.000 Euro taxiert wurde, wurde unter Vorbehalt zugeschlagen. Erfolgreich schloss ein frühes Gemälde von Münchens großem Farbmagier Rupprecht Geiger von 1957 ab. Es geht für 85.000 Euro in Privatbesitz (60.000 bis 80.000 Euro); Geigers strahlende „Sonne“ auf magentafarbenem Grund spielte mit 46.000 Euro knapp die untere Taxe ein. Bei 55.000 Euro wurde ein Blatt aus Warhols berühmter Marilyn-Graphikserie zugeschlagen. Das Exemplar in Jamaika-Farben erreichte damit ein internationales Preisniveau.

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