Karl & Faber
Italienische Händler halten die Taschen zu

Verwunderung herrschte am 27. April bei Karl & Faber. Die Venedig-Ansicht eines unbekannten Künstlers aus dem 19. Jahrhundert verzehnfachte ihren Schätzpreis. Ansonsten wurde das Angebot an Alten und Neuen Meistern sehr selektiv angenommen. Ein gutes Ergebnis erzielte das Münchener Auktionshaus mit der von Krisen unabhängigen Altmeistergraphik.
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MünchenEine in warmes Sonnenlicht getauchte Venedig-Ansicht aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verzückte im Münchener Auktionshaus Karl & Faber die Bieter. Erst bei 29.000 Euro (ohne Aufgeld) erfolgte der Zuschlag für den Blick auf den Dogenpalast zugunsten eines privaten Connaisseurs, der sich gegen zahlreiche Konkurrenz durchsetzte. Rund 20 Bieter aus der Schweiz, Deutschland und natürlich Italien bemühten sich um das Werk eines unbekannten venezianischen Künstlers, das auf 3.000 bis 4.000 Euro taxiert war. Vermutlich wissen die Bieter mehr, verraten haben sie es jedoch auch Rupert Keim nicht, dem Auktionator und geschäftsführenden Gesellschafter. Der Zuschlag an diesem 27. April ist mit Abstand der höchste der Altmeister-Auktion, deren Angebot ohne besondere Höhepunkte war.

Von Krisen unabhängig

Insgesamt schloss vor allem die Altmeistergraphik gut ab. Das „von Krisen unabhängige Segment“ spielte nach Angaben von Keim innerhalb der Sparte rund 70 Prozent der Schätzpreissumme ein. 15.000 Euro erzielte ein Frühdruck von Rembrandts Studienblatt einer im Bett liegenden Frau. 8.000 bis 12.000 Euro wurden für die von Rembrandt-Experte Gordon Nowell-Usticke als „a rare, delicate plate“ bezeichnete Radierung erwartet. Martin Schongauers seltener, unbeschnittener Kupferstich „Der Schmerzensmann zwischen Maria und Johannes“ kam auf 12.000 Euro Zuschlag (Schätzpreis 9.000 bis 10.000 Euro).

Zu hohe Erwartungen

Bei den Altmeistergemälden sieht es schon anders aus. Die Kunden ließen vieles unbeachtet, nur attraktive Werke wie Eduard Charlemonts Repoussoir eines sitzenden Kindes mit japanischem Fächer von 1877 wurden abgesetzt. Die auf 16.000 bis 18.000 Euro eingeschätzte Arbeit wurde im Nachverkauf für 14.000 Euro zugeschlagen (16.000 bis 18.000 Euro). Für Alessandro Vitalis Heiligengemälde des Judas Thaddäus laufen die Nachverhandlungen noch (12.000 bis 15.000). Obwohl es in der Offerte zahlreiche Lose gab, die für den italienischen und französischen Handel attraktiv gewesen waren, agierten die Bieter aus diesen Ländern sehr zurückhaltend, erläuterte Rupert Keim nach der Auktion.

Größeres Interesse herrschte an den Werken des 19. Jahrhunderts, allerdings selektierten die Bieter auch hier stark. Wohl zu hohe Erwartungen wurden in die Sammlung von Michael Hocks, dem ehemaligen Intendanten der Alten Oper in Frankfurt, gesetzt. Teils anonyme Papierarbeiten des 18. und 19. Jahrhunderts bildeten den Schwerpunkt der Kollektion, von der nur ein kleiner Teil abgesetzt wurde, darunter auch die Gouache von Gioacchino la Pira für 5.000 Euro. Erwartet wurden für die Bootspartie in der blauen Grotte von Capri 6.000 bis 7.000 Euro.

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