Karl & Faber
Malerei auf der Zigarettenkiste

Ein Frühwerk des Rembrandt-Schülers Samuel van Hoogstraten gehört zu den Top-Losen des Münchener Auktionshauses Karl & Faber. In der Sektion 19. Jahrhundert fallen Werke von Friedrich Overbeck, Carl Spitzweg und Ludwig Thoma ins Auge.
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MünchenMit rund 500 Werken Alter Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts eröffnet Karl & Faber in München am 26. Oktober die Herbstsaison. Das Toplos ist ein Vanitas Stillleben mit nachdenkendem jungen Mann des Rembrandt-Schülers Samuel van Hoogstraten. Das auf die Mitte der 1640er Jahre datierte Gemälde ist ein Frühwerk, es entstammt noch aus der Zeit als Hoogstraten bei Rembrandt arbeitete. In einer spannungsreichen Pyramidalkomposition präsentiert Hoogstraten Gegenstände der Kunst und Musik unter anderem eine Violine, Pinsel, eine Skulptur, Noten, eine Aktzeichnung, aber auch eine Uhr , die auf die Vergänglichkeit des Lebens hinweist. Im Hintergrund sitzt ein Mann in nachdenklicher Haltung. Es könnte der Maler selbst sein, der hier meisterlich die Bildgattungen Selbstbildnis und Stillleben verbindet.

Das Gemälde, das auf 30.000 bis 40.000 Euro taxiert ist, befand sich lange Zeit in einer deutschen Sammlung, die sich vor allem Werken mit musikalischen Motiven widmete. Aus dieser Provenienz kommt auch ein frühes Gemälde des Haarlemer Malers Jan Miense Molenaer zum Aufruf. Der „Lautenspieler“ ist ein Werk aus der besonders geschätzten Frühzeit des Künstlers und auf 10.000 bis 12.000 Euro taxiert. Eine ganz in der Tradition der "Leidener Feinmalerei" gehaltene "Allegorie der Musik" von Adriaen van der Werff wird für 7.000 bis 10.000 Euro angeboten. Die Staatsgalerie Stuttgart hat eine gleichwertige Version des Werkes in ihrem Bestand.

Kaiser nach Dürer gezeichnet

In der Sparte 19. Jahrhundert werden ein Gemälde und Arbeiten auf Papier von Carl Spitzweg angeboten. Auf dem Deckel einer 12 x 21 cm großen Zigarrenkiste hielt Carl Spitzweg rastende Zigeuner am Fluss fest. Der flirrende Duktus und das leuchtende Kolorit zeigen, wie sehr Spitzweg von den Malern der Schule von Barbizon inspiriert wurde (25.000 bis 30.000 Euro). Von Friedrich Overbeck wird eine auf 14.000 bis 15.000 Euro geschätzte großformatige Kreidezeichnung mit Sepia-Lavierung angeboten, die die Versöhnung Esaus und Jakobs zeigt. Marktfrisch ist eine in subtilen Grüntönen geschilderte Phantasielandschaft von Hans Thoma, die mit einer Taxe von 20.000 bis 25.000 Euro ausgeschrieben ist.

Die Graphik-Sektion ist mit rund 90 Losen zu Schätzpreisen bis zu rund 5.000 Euro bestückt. Darunter findet sich auch ein altkolorierter Einblattholzschnitt des 15. Jahrhunderts auf Pergament (4.000 Euro).

Bei den Zeichnungen liegt der Schwerpunkt der Offerte auf süddeutsch-österreichischen Zeichnungen. Von Hans Sebald Beham kommt ein auf 15.000 bis 17.000 Euro taxiertes Kohleportrait des Kaisers Maximilian zum Aufruf. Als Beham das Werk um 1518/20 zeichnete, arbeitete er noch in der Werkstatt Albrecht Dürers. Die Vorlage für die Zeichnung ist dessen berühmtes Gemälde des Kaisers im Kunsthistorischen Museum in Wien, das nach dem Treffen Dürers mit dem Kaiser auf dem Reichstag 1518 in Augsburg entstand. Aus süddeutschem Adelsbesitz stammen zwei hervorragend erhaltene Tierzeichnungen von Johan Elias Ridinger. Die sehr fein gearbeiteten Werke zeigen exemplarisch das große Können des Künstlers (Taxe je 2.300 Euro).

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