Karl & Faber
Privatsammler picken sich das Beste heraus

Kunsthistorisch abgesicherte Positionen haben Konjunktur. Im Münchener Auktionshaus Karl & Faber hatten die expressiven Gemälde von Alexej Jawlensky und Gabriele Münter Erfolg. Bei der Alten Kunst verneunfachte eine Barock-Zeichnung ihren Preis, die dem Umkreis von Giovanni Lorenzo Bernini zugeschrieben wird.
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MÜNCHEN. Vor allem Privatsammler waren bei den Auktionen von Karl & Faber am 4. und 5. Dezember in München aktiv. Die sechsstelligen Toplose gingen alle bis auf ein unverkauftes an private Bieter. Insgesamt zeigt sich Auktionator Rupert Keim mit der Verkaufsquote von rund 2/3 nach Anzahl der Losen (inkl. Vorbehalte) sehr zufrieden. Der Höchstzuschlag der Auktion galt erwartungsgemäß dem frühen "Stillleben mit rotem Tablett und Astern" von Alexej von Jawlensky. Das 1904 entstandene Gemälde hat eine schöne Ausstellungsgeschichte - bereits 1906 war es auf der 11. Berliner Sezession zu sehen. Mehr als vierzig Jahre befand es sich in norddeutschem Privatbesitz. Jetzt sicherte sich ein süddeutscher Sammler das kräftigfarbige Bild bei 270.000 Euro (netto) knapp unter der Taxe von 280.000 - 300.00 Euro. Das ist zwar deutlich weniger als für das Jawlensky-Stillleben von 1910 bei Lempertz bezahlt wurde (640.000 netto). Doch das in Köln versteigerte, war 1910 entstanden, sechs Jahre nach dem in München angebotenen. An beiden Blumenbildern ist der Umschlag vom lockeren Duktus eines Van Gogh hin zum Expressionismus des "Blauen Reiter" nachvollziehbar. Das 1910 ist ein zentrales Jahr für den deutschen Expressionismus, das hinterlässt auch Spuren im Preis.

Gefragt war ein rares Nachtbild von Gabriele Münter

Ebenfalls in Süddeutschland bleibt eine der wenigen München-Darstellungen von Gabriele Münter. Ihr nächtlicher Karolinenplatz, der exemplarisch eine kontrastreiche Palette mit einer typisch münterschen Reduktion der Form vereint, erzielte die obere Taxe von 180.000 Euro. Die Taxe von 100.000 - 120.000 Euro für das etwas blasse Noldeaquarell "Orchideenblüten (violett und orange)" schreckte möglicherweise potentielle Bieter ab. Niemand ließ sich zu einem Angebot hinreißen.

Die Kunden agierten selektiv und pickten sich die Rosinen heraus wie die Papierarbeit "Oriental" von Alexander Calder, für die ein Schweizer Bieter 23.000 Euro bewilligte (15.000 - 20.000) oder das kleine, ausgearbeitete Aquarell "Montagnola" von Hermann Hesse. Hier setzte sich ein deutscher Saalbieter gegen sieben Mitstreiter bei 20.000 Euro durch (8.000 - 10.000). Wie erwartet, engagierte sich ein österreichischer Bieter bei einer Papierarbeit von Max Oppenheimer und bekam das kubistisch gesehen Klinglerquartett für die untere Taxe von 45.000 Euro zugeschlagen. Den Blick über Florenz, den Hans Purrmann in klaren Farben 1937 festgehalten hat, genießt nun ein süddeutscher Sammler, der 90.000 Euro dafür aufbrachte (70.000 - 100.000). Das "Flötenspiel" von Leo Putz war einem Münchner Privatmann 30.000 Euro wert (20.000 - 24.000).

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