Karl & Faber
Umkämpfte Top-Lose in Zeiten knappen Angebots

Internationaler Handel gehört bei Karl & Faber zu den eifrigsten Bietern. Wie die Auktionshäuser leidet er unter dem aktuellen Warenmangel. Auch amerikanische Sammler mischen in München mit.
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MünchenZu den eindrucksvollen Doppelporträts, die Otto Dix in den späten 1920er-Jahren schuf, gehört auch das Gemälde „Liebespaar mit Kapuzinerkresse“, das um 1929/30 in Dresden entstand. Bei Karl & Faber in München kam am 24. Mai eine Vorzeichnung in Kreide und Gouache zum Aufruf. Das kontrastreiche Blatt, das in kühnen Strichen das Liebespaar umreißt, ist ein eigenständiges Werk mit ungeheurer Ausstrahlung. So sahen es auch die Saal- und Telefonbieter, die den Preis rasch auf 400.000 Euro Zuschlag (ohne Aufgeld) schnellen ließen. Taxiert war das Werk auf 170.000 bis 250.000 Euro.

Von Dix kam noch ein zweites Werk zum Aufruf, das Aquarell eines von zahlreichen Matrosen und Mädchen bevölkerten Tanzsaals in St. Pauli. Hier fiel der Hammer bei 180.000 Euro und blieb damit knapp unter seiner Erwartung. Beide Lose gingen in den internationalen Handel, der ebenfalls wie die Auktionshäuser unter dem derzeit herrschenden „Warenmangel“ leidet.

Heiß umkämpfte Klassische Moderne

Heiß umkämpft war in der Auktion „Ausgewählte Werke“ mit rund 185 Losen moderner und zeitgenössischer Kunst auch ein Werk von George Grosz. Das Aquarell „Nach dem Theater“ (1926) ist ein Beispiel für seine scharfe Beobachtungsgabe und bissigen Humor. Für 78.000 Euro wechselte es den Besitzer (Taxe 40.000 bis 60.000 Euro). Es stammte, wie die Lose von Dix aus dem Besitz eines Berliner Arztes. Nach seinem Tod gingen die Werke an seine in Linz lebende Tochter über, bevor sie nun zur Auktion kamen.

Der vierte Zuschlag im sechsstelligen Bereich galt dem Porträt eines Mädchens von Emil Nolde, dessen strahlende blauen Augen und rot-goldenen Haare die Bieter verzauberte. Ein Telefonbieter übernahm das Blatt für 104.000 Euro, mehr als das doppelte der unteren Taxe in Höhe von 50.000 bis 70.000 Euro. Ein Selbstporträt Noldes, das zugunsten des Freundeskreises des amerikanischen Busch-Reisinger Museums versteigert wurde, kam auf 62.000 Euro, die ein Privatsammler bewilligte. Geschätzt war es auf 60.000 bis 80.000 Euro.

Zweifelnder Kopf mit Unikatcharakter

Aus der deutsch-österreichischen Privatsammlung kam auch eine ausgearbeitete Tuschezeichnung von Ernst Ludwig Kirchner von 1910 zum Aufruf. Das Blatt, das Modistinnen bei der Arbeit zeigt, verdoppelte mit 30.000 Euro Zuschlag die untere Taxe. Es wurde damit wie die restlichen Werke der Kollektion sehr gut verkauft.

Rare Graphiken, von denen nur wenige Blätter bekannt sind, waren begehrt. Die Radierung „Grüne Brücke“ von Lyonel Feininger auf Bütten mit dem „Einhorn“-Wasserzeichen, das nur in wenigen Ausführungen bekannt ist, erzielte 10.500 Euro (6.000 bis 7.000). Eine sehr seltene Lithographie von Erich Heckel von 1913, die ein sitzendes Mädchen zeigt, kam auf 17.000 Euro (12.000 bis 15.000). Ein privater Sammler setzte sich hier gegen den US-Handel durch. Der Unikatscharakter eines lithographierten und aquarellierten „zweifelnden Kopfes“ von Alexej von Jawlensky war einem Bieter 19.000 Euro wert (18.000 bis 20.000).

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Museumsbild aus der Fishman-Kollektion

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