Kein 80-Jahre-Happening
Born to be Helmut

Frank Goosens Erfolgsroman „Liegen lernen“ kommt ins Kino. Hauptdarsteller Fabian Busch könnte das zum Durchbruch verhelfen.

Was soll nur aus dir werden, Junge“, sagt die Mutter kopfschüttelnd. Helmut ist ein bindungsunfähiges Weichei. Er lebt vor sich hin, ohne große Spuren zu hinterlassen. So schlängelt er sich durch die achtziger Jahre, so gerät er in die neunziger Jahre hinein. Mit „Liegen lernen“ lieferte der Ruhrgebiets-Kabarettist Frank Goosen vor zwei Jahren ein Debüt ab, das ihn zum Nick Hornby des Ruhrpotts werden ließ: Eine Art „Generation Golf“ mit Handlung, ein „großes Erzähltalent“ bescheinigte ihm der „Spiegel“. Ab diesem Freitag werden die „Liegen lernen“-Fans nun sitzen lernen: Die Verfilmung von Goosens Buch kommt in die Kinos.

Fabian Busch verkörpert Helmut mit grandioser Leichtigkeit. Mit Haut und Haaren steckt er in der Rolle. Der unentschiedene Gang, die ewige Schwärmerei für Britta, seine große Liebe. Helmut ist jemand, der ständig auf etwas wartet. Er kommt nicht mehr vom Fleck, seit er 16 ist, tauscht lediglich die Jeansjacke mit dem Cordanzug aus. Mit zunächst fabelhaften Folgen: „Still halten. Nichts machen. Dann laufen einem die unglaublichsten Frauen über den Weg.“ Erst Gisela, später Gloria, Barbara und schließlich Tina. Helmut kommt erst in die Puschen, als Tina ihn rauswirft: „Ich möchte wirklich mal wissen, wie du so ein gefühlsgehemmter, bindungsunfähiger und feiger Penner geworden bist.“ Da ist er 32.

„Fabian Busch ist großartig, born to be Helmut“, kommentiert Autor Goosen die Besetzung. Dabei wusste der 27-jährige Berliner Busch vor dem neuen Filmprojekt rein gar nichts vom Erwachsenwerden in der westdeutschen Provinz. Der Zuschauer dagegen wird nicht viel über ihn wissen: Allein im hervorragenden Hacker-Film „23“ fiel Busch bisher auf – und das ist fünf Jahre her.

Regisseur Hendrik Handloegten, Jahrgang 1968, hat darauf geachtet, dass aus „Liegen lernen“ kein 80er-Happening wird. Nicht auf jedem Tisch liegt der Zauberwürfel. Auch die Musik wird eher sparsam eingesetzt – anders als in Goosens Buch. Und so bleibt ein kleiner Makel: Im Gegensatz zum Buch gelingt es dem Film nicht, das Lebensgefühl der Jahre vor dem Mauerfall einzufangen – obwohl das doch maßgeblich für die Entwicklung von Helmut wäre.

Vieles wird als Klischee präsentiert, die endlosen politischen Diskussionen etwa und die Wohnung von Helmuts Eltern im Ruhrpott in einem der tristen grauen Wohnblöcke. Dennoch: Mit „Liegen lernen“ ist Handloegten ein witziger Film übers Erwachsenwerden gelungen. Bei der Zeitreise in die Kohl-Jahre wird jeder, der in dieser Zeit jung war, seine speziellen Déjà-vu–Erlebnisse haben.

In „Liegen lernen“ sollte man mit seinen besten Freunden gehen, um hinterher ein bisschen lästern zu können. Über das Leben, die grässliche Mode in den 80ern und die Vergänglichkeit der Liebe. Denn da kann Fabian Busch nicht mitreden: „Bei mir ist es so, dass ich noch mit meiner ersten großen Liebe zusammen bin.“

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