Kein Mensch weit und breit
Freuden der Langsamkeit

Beim Schneeschuhwandern entdecken Wintersportler unberührte Natur abseits der Trampelpfade.

Endlich ist es still. Kein Mensch weit und breit. Nur glitzernder Schnee, dunkler Wald und steinerne Gipfelschönheiten. Wir sind auf Schneeschuhen unterwegs. Niemand außer Fuchs und Hase hat dieses Zauberreich vorher betreten. Zwei Spuren verlaufen sich im Wald. Der Hase voraus, der Fuchs hinterher. Wie die Jagd wohl ausgegangen ist? Sofort ist das Gefühl da, Pionier zu sein. Abseits ausgetretener Pfade oder vorgespurter Pisten den eigenen Weg finden, sich ein kleines Stück Freiheit erobern - welcher Luxus!

Auch der Verlagsleiter Florian Rauner ist früher gern Ski gefahren. Inzwischen aber hat er seine Bretter durch zwei quietschgelbe Plastik-Watscheln ersetzt. Mit einem einfachen Mechanismus können die tropfenförmigen Schlappen, Größe Rübezahl, unter jeden Berg- und Trekkingschuh geschnallt werden.

Seit Rauner ins Lager der Schneeschuhwanderer wechselte, hat sich auch seine Einstellung zum Alltag verändert. "Die Einsamkeit und die Stille des Waldes lenken den Blick nach innen", schwärmt der 38-jährige. "Ich höre, wie der Schnee unter mir knirscht oder wie Watte einsinkt. Der Einklang mit der Schneelandschaft macht mich ruhig. Stress und Hektik fallen ab. Statt der schnellen Abfahrt genieße ich jetzt die Langsamkeit."

Den Trend zur Trapper- und Lederstrumpf-Romantik hat auch Christian Wolpert erkannt. Von montags bis freitags arbeitet er als Ingenieur für Nachrichtentechnik. Am Wochenende organisiert er mit seiner Frau Schneeschuh-Wanderungen in Lenggries in Oberbayern.

Als Einheimische kennen die beiden jeden Winkel. Sie haben zehn umweltverträgliche Touren vom Isartal bis ins Karwendelgebirge ausgearbeitet. Das Besondere: Wer ganz für sich sein will, kann sich bei den Wolperts neben Schneeschuhen ein Satelliten-Gerät ausleihen und nach einer kurzen Einführung auf eigene Faust losmarschieren. ?Immer dem Pfeil nach?, heißt dann die Devise.

Das Gerät wird wie ein Funktelefon außen am Anorak befestigt, den Rest übernehmen bis zu zwölf Satelliten. Das Gerät fängt deren Signale auf und errechnet anhand der Zeitdifferenz die jeweilige Position des Querfeldein-Marschierers. Das ist nicht nur bei Schneetreiben und Nebel von großem Nutzen. Unter der sanften Schneedecke verändert sich die Landschaft. Bekannte Wege sehen plötzlich ganz anders aus. Das hat großen Reiz, fordert aber den Orientierungssinn. Wer kein Gerät hat, braucht Kompass und Karte und sollte bei schlechter Sicht lieber umkehren.

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